Es gibt Kunstwerke, die benötigen eine lange Anreise um begutachtet zu werden, andere wiederum liegen direkt vor unserer Haustüre. Doch wir schenken ihnen kaum Beachtung. An ebenso einem Kunstwerk fahren viele von uns tagtäglich vorbei. Es ist nicht nur von außen sehenswert, sondern beherbergt auch wahre Schätze. Die Rede ist von der Staatsgalerie in Stuttgart. Eröffnet wurde sie bereits 1843, doch ein Wegbereiter der postmodernen Architektur ist es erst seit 1984. Den in diesem Jahr eröffnete der Erweiterungsbau, die sogenannte Neue Staatsgalerie.

Der Bau sorgte vor seiner Existenz für erhitze Gemüter. Die Entwürfe stießen auf gegensätzliche Reaktionen, die einen äußerten ihre Begeisterung, wohingegen die Mehrheit eher mit kollektiver Ablehnung auf den Entwurf des britischen Architekten James Stirling reagierten. „Ein Gebäude ebenso attackiert wie gefeiert“ schrieben die Stuttgarter Nachrichten 2014 zum 30-jährigen Geburtstag von Stirlings Neuer Staatsgalerie.

Sie besticht durch ihre grellen Farben, die pink lackierten Geländer, der grüne genoppte Bodenbelag, die blauen Entlüftungsrohre. Jedwede Farbe vereint mit allen erdenklichen grafischen Formen. Ein wilder Mix, der so gar nicht zu der klassizistischen alten Staatsgalerie passen wollte. Doch nun fügt sie sich ein, in das Stadtbild. Und ist mittlerweile eines der bekanntesten Kunstmuseen Deutschlands, ja sogar ein Ereignis für sich. Ein Ereignis das war die Staatsgalerie auch für James Stirling, sie war nicht nur einer der ersten postmodernen Bauten in Deutschland, sondern auch für den Architekten eine Premiere. Mit der neuen Staatsgalerie verwirklichte Stirling seinen ersten alleinigen Entwurf. So besteht in der Mitte von Stuttgart nicht nur ein umfangreicher Teil der Kunstgeschichte, es existiert auch ein nicht außer Acht zu lassender architektonischer Mehrwert. Der uns des Weiteren aufzeigt wie wichtig es ist die eigene Stadt mal wieder mit den Augen eines Besuchers wahrzunehmen. Glauben Sie mir es wird Ihnen was geboten.