Viele architektonische Meisterwerke der Gegenwart waren seinerzeit immense Streitthemen. Beginnend mit der Staatsgalerie in Stuttgart, benötigt es nur eine dreistündige Fahrt mit dem Zug und man steht in der Mitte einer Metropole die einiges an sogenannter diskutabler Architektur beherbergt. Paris.

Hier wehrte sich der Pariser seinerzeit gegen den Bau des Eiffelturms, niemand wollte ihn haben diesen Koloss aus Stahl. Jetzt ist er das weltweit berühmteste Wahrzeichen. So ähnlich verhält es sich mit dem zweiten Erkennungsmerkmal von Paris, der Glaspyramide vor dem Louvre. Eröffnet wurde diese 1989 und auch dann noch beschimpft. Man nannte sie „Grabkammer“, „Käseglocke“. Das gerade dieser „Disneyland-Anbau“, eines der beliebtesten Ausflugsziele von Paris werden würde, hatte damals keiner im Sinn. Gebaut hat diesen Koloss, aus Glas der amerikanisch-chinesische Architekt Ieoh Ming Pei. Der Lichtbauer unserer Zeit, eine Beschreibung die mehr als passend zusammenfasst was seine Gebäude an Wirkung innehaben.

Und das obwohl viele, wenn nicht beinahe alle seiner Entwürfe, einfache geometrische Formen sind. Dreiecke, Würfel oder eben Pyramiden. Und trotzdem oder gerade aufgrund dessen sind Sie leicht, wandelbar und schön schlicht. „Er hat diesem Jahrhundert einige der schönsten Innenräume und äußeren Formen gegeben.“ So formulierte es die Jury welche Pei 1983 den Pritzker Preis übergab. Und sie behalten recht. Die Konstruktionen aus Glas und Stahl, formen die Räume die sie umgeben genauso wie sie es mit denen die sie beherbergen tun. Ein ständiges Spiel mit Licht und Schatten. So erscheint einem die Pyramide im Innenhof des Louvre morgens viel zerbrechlicher und dezenter als unter dem Einfluss der nächtlichen Beleuchtung. Man erkennt also schon bei kurzzeitiger Betrachtung, von nur einem seiner vielen Werke warum Ieoh Ming Pei als „Vollender der klassischen Moderne“ gilt. Zu Beginn dieses Jahres starb Pei im Alter von 102 Jahren. Zurück bleibt die beeindruckende Wirkung, die das Beobachten des Spiels der Sonnenstrahlen im Glas der Pyramide, an einem Montagmorgen im Juni in einem auslöst. Sich für diese Beobachtung Zeit nehmen, das erinnert mich daran wie wunderschön solche Momente sind und das wir uns viel zu selten an den simplen Dingen des Lebens erfreuen.

Oder haben sie heute schon ein klein wenig ihrer Zeit dafür genutzt nur aus dem Fenster zu schauen, ohne ein wirres Geflecht von Gedanken im Kopf?