Mit dem Fahrrad über einen Steg den Blick auf das Ijmeer gerichtet. Am Morgen der Sonne entgegen, abends dem Glitzern der letzten Sonnenstrahlen auf der Wasseroberfläche hinterher. Das ist der tägliche Weg von den Bewohnern Ijburg’s. Das erste Stadtgebiet, das zu einem großen Teil komplett auf dem Wasser liegt. Vereinzelte Hausboote sind ja schon eine häufig anzutreffende Realität in den Niederlanden, aber das verwirklichen von gesamten Stadtteilen auf dem Wasser ist noch immer Science-Fiction. Korrektur: War bis vor ein paar Jahren Science-Fiction. Nun ist es das schon länger nicht mehr.

Die Rede ist von dem Stadtteil Ijburg in Amsterdam. Angefangen hat es 2005 mit der Idee durch die Aufschüttung von Sand ein neues Stadtviertel entstehen zu lassen. Das Ziel: Bis 2015 sollen in 18.000 Wohnungen circa 45.000 Menschen wohnen. Auch sozial Wohnungen sollen dabei entstehen. Doch handelt es sich bei der Aufschüttung von Sand nicht direkt um ein Leben auf dem Wasser. So hat die Stadtplanerin Marlis Rohmer diesen einen letzten Schritt genommen und eine modulare Bauweise von Hausbooten, die es ermöglicht ein Stadtviertel auf dem Wasser entstehen zu lassen entwickelt.

Waterbuurt. Nennt es sich. Hier sind 158 Wohnungen direkt am Wasser, 55 davon schwimmen. Das Schönste neben allumgebenden Wasser, das Design hier, die Individualität. Es reiht sich ein gelb gefliestes Haus, an ein kubistisch minimalistisches, daneben ein blau lackiertes Holzboot, die Bewohner können ihre Vorstellungen frei entfalten. Generell hat Freiheit für die Ijburger einen hohen Stellenwert.

„Die Freiheit, die einem der Blick von Wohnzimmer auf das Wasser gibt ist einzigartig.“ So beschreiben es viele die eines der Hausboote bewohnen. Wahre Traumhäuser mit Urlaubsfeeling, schließlich befindet man sich nicht nur direkt am Wasser. Jeder hat mindestens ein kleines Boot, es wird gesurft, mit dem Fahrrad kommt man in fünfzehn Minuten in die Stadt und wenn man doch mal das Auto braucht kann es vor der Ansiedlung auf einem Parkplatz stehen und je nach Bedarf für Ausflüge aufs Festland genutzt werden. Um einiges facettenreicher als das wohnen in einer Stadtwohnung oder einem Reihenhäuschen.

Der schwimmende Stadtteil, eine sorgfältig geplante und außergewöhnliche Realisierung die international viele Blicke auf sich zieht. Und auch nach eingehender Betrachtung fasziniert. Ein klein wenig Zukunft, vereint in einer Nachbarschaft.