Auto ist nicht gleich Auto. Das haben viele schon als Kind beim Autoquartett-Spielen gelernt. Schnell wusste man, dass Karten bestimmter Automarken fast immer gewinnen. Eine davon war Bentley … Natürlich erfüllt jedes Auto, ob groß oder klein, ob hochmotorisiert oder eher gemächlich, im Prinzip seinen praktischen Zweck. Dafür braucht es keinen Bentley. Aber wer mal in einem gefahren ist, läuft Gefahr, für die meisten anderen Automarken verdorben zu sein.
Vorausgesetzt, sie haben einen Sinn für das Besondere. Man muss es erleben. Auch ohne ein Autokenner zu sein, spürt jeder sofort, dass diese Fahrzeuge mit dem geflügelten „B“ anders sind, egal ob als Limousine, Coupé, Cabriolet oder SUV. Ich habe mir einen Continental GT ausgewählt und öffne die Tür des Fahrzeugs. Dezent einladend erstrahlt im Türrahmen der Schriftzug der Marke. Ich lasse mich in den Sitz gleiten und schließe die Tür. Sofort sind alle Außengeräusche angenehm gedämpft. Es riecht unaufdringlich nach Leder, meine Hand streicht darüber und wandert weiter über das fein gemaserte Holz zu Knöpfen und Schaltern, die sich satt drücken lassen. Was für ein Gefühl … und jetzt ist man verdorben.

Die Marke feiert gerade ihr hundertjähriges Jubiläum. 1919 hat Walter Owen Bentley, ein damals 31-jähriger Maschinenbauer, die Firma Bentley Motors gegründet und begann mit der Produktion im Londoner Vorort Cricklewood. Von Anfang an mit dem Anspruch „ich will ein schnelles Auto bauen, ich will ein gutes Auto bauen, ich will das beste Auto seiner Klasse bauen.“ Und diese anspruchsvolle Forderung des Firmengründers gilt noch immer. Prägnanter Beweis für dessen Erfüllung ist der Titel „offizieller Hoflieferant des britischen Königshauses“. Bald fiel die Marke mit Erfolgen im Rennsport auf. 1924 wurde das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen. Bis 1930 folgten vier weitere Gesamtsiege. Selbst Mercedes hatte gegen die „grünen Renner von der Insel“ keine Chance.
Junge Männer mit Rennleidenschaft aus vermögenden Familien, die sogenannten „Bentley-Boys“, zählten zum festen Kundenstamm der Marke. Darunter war auch der mehrfache Le Mans-Sieger Woolf Barnato. 1930 gewann er sogar die spektakuläre Wettfahrt gegen den Schnellzug „Blue Train“. W.O. Bentley´s Vision, Luxus und Leistung in einem Fahrzeug kompromisslos zu vereinen, wird auch am heutigen
Produktionsstandort Crewe in der englischen Grafschaft Cheshire mit Leidenschaft gelebt. Bereits 1946 verlagerte Bentley die Produktion in den 67.000 Einwohner zählenden Ort, der 45 Kilometer nordöstlich von Manchester liegt.
Und in diesem Ort wird nach wie vor die Marke gelebt. „Im Werk in Crewe spürt man die wahre Leidenschaft für das Produkt“, schwärmt Melanie Rieger, Marketing-Managerin bei Gohm-Sportwagen in Stuttgart, „aus manchen dort ansässigen Familien arbeitet bereits die dritte Generation bei Bentley.“

Holz, Leder und Metall vereint mit Liebe zum Detail
Die Belegschaft von 4.000 Mitarbeitern fertigt pro Jahr etwa 10.000 Fahrzeuge. Akribisch wird an jedem einzelnen Fahrzeug gearbeitet, viele Tätigkeiten werden nach wie vor in Handarbeit ausgeführt. „Es ähnelt ohnedies kaum ein Fahrzeug dem anderen, so gut wie jeder individuelle Kundenwunsch wird vom Mulliner-Department nach Möglichkeit umgesetzt. Egal ob hinsichtlich den Materialien, der Farbe oder spezieller Sonderausstattung, alles immer auf höchstem Qualitätsniveau“, wie Frau Rieger betont.

Zum Beispiel die Ledersitze mit ihrem Bentley-typischen gesteppten Rautenmuster. Das verwendete Leder kommt ausschließlich aus nördlichen Erdregionen, da dann keine Insektenstiche den optischen Eindruck stören. Und auch nur von Bullen, da deren Haut gleichmäßiger dick ist. „Manch einer mag das als spleenig ansehen, für andere Menschen ist diese Vollkommenheit im Detail purer Genuß“, ergänzt Frau Rieger lächelnd, „und auf Wunsch kann der Bentley-Kunde auch in Zukunft veganes Leder für sein Wunschfahrzeug bekommen.“ Um es auf die Spitze zu treiben, blieb ein Kuriosum über die Jahrzehnte hinweg erhalten. Damit die Löcher für den umlaufenden Faden im Lederlenkrad stets den gleichen Abstand haben, werden sie mit einer Gabel vorgestochen.
Der haptische Genuss durch das Leder findet seine Ergänzung in den Holzapplikationen im Fahrzeuginnenraum. Selbstredend, dass jegliches verwendete Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Aus einem einzigen Stück Holz gefertigt, setzt sich die Maserung nahtlos durch das gesamte Amaturenbrett bis in die Intarsien der Türen fort – ein exquisites Detail, das manch einem nicht einmal auffällt, aber eine wohltuend beruhigende Harmonie im Fahrzeuginnenraum erzeugt.

Understatement gehört zum Image
Bentley ist im Vergleich zu anderen Automarken eine relativ unauffällige Marke. Sie erscheint nie marktschreierisch auf dem werblichen Parkett. Das hat sie auch nicht nötig. Bei Kennern bestens präsent, wird sie manchmal irrtümlich als zu sehr in der Historie und Tradition verwurzelt angesehen.
Das britische Understatement mag Ursache der zurückhaltenden Präsentation der eigenen Leistung sein. Ein Bentley hat viel zu bieten. Denn trotz aller Höhen und Tiefen, wie sie jede Marke mit einer langen Geschichte in ihrem Lebenszyklus immer wieder erlebt, ist Bentley bestens aufgestellt – auch in Bezug auf alternative Antriebstechnologien und die elektrische Zukunft.

Nachhaltigkeit ist eine Selbstverständlichkeit
Auch bei der Nachhaltigkeit gilt: Man redet nicht viel darüber, man lebt die Maxime. So hat Bentley passend zum Jubiläum eine Studie präsentiert, den EXP 100 GT. Alle vier Räder haben einen Elektroantrieb und die Reichweite beträgt an die 700 Kilometer. „Heute an unserem 100. Geburtstag präsentieren wir die Vision für die Zukunft unserer Marke“, sagt CEO Adrian Hallmark dazu. Der Mutterkonzern VW ist dabei mit ein Garant, dass Bentley bei Innovationen immer an forderster Front dabei ist, solange sie die Ideale von Bentley – Luxus und Leistung – unterstreichen. So hat das Unternehmen momentan den Bentley Bentayga Hybrid im Produkt-Portfolio. Die Plug-in-Hybridantriebsvariante hat eine Systemleistung von 330 kW. Dabei ist ein Dreiliter-V6-Verbrennungsaggregat mit einem Elektromotor kombiniert.

Ein sportlich luxuriöses Auto für jeden Tag
„Trotz Größe und Ausstattung ist ein Bentley ein sehr sportliches Fahrzeug, das sich sehr agil fahren lässt“, betont die Marketing-Managerin bei Gohm Sportwagen. „Man muss es einfach mal ausprobieren, denn dieses Fahrgefühl lässt sich kaum beschreiben.“
Modernste Sicherheitssysteme und Antriebstechnik, vereint mit angenehm unaufdringlichem Komfort, schaffen ein unvergleichliches Fahrerlebnis. In einem Bentley findet man auch noch richtige Schalter und Knöpfe an sinnvollen Stellen, keiner muss sich mit multifunktionalen Schaltern abquälen, die zudem beim Fahren ablenken. Und wenn man auch das Touchdisplay für die Navigation nicht mehr sehen will, so lässt sich zum Beispiel im Continental GT und im neuen Flying Spur auf Knopfdruck einfach das gesamte Display drehen. Auf Wunsch erfreuen drei wunderschöne analoge Rundinstrumente für Öltemperatur, Kompass und Rundenzeitmesser das Auge.

Das Autohaus Gohm in Stuttgart

In der Metropolregion Stuttgart findet man das Autohaus Gohm in der Motorworld auf dem ehemaligen Flugfeld in Böblingen. Das Unternehmen verteilt sich hier auf zwei Gebäude. Im einen findet man die italienischen Sportwagen-Hersteller Ferrari und Maserati, im anderen Lamborghini und Bentley. „In der Motorworld dreht sich alles ums Auto“, beschreibt Marketing-Managerin Melanie Rieger den Standort, „die Menschen kommen hier her, weil sie autobegeistert sind. Damit ist er wie geschaffen für uns.“
Angefangen hat das immer noch familiengeführte Autohaus Gohm vor 113 Jahren mit einem Fahrradhandel. Doch schon bald erfolgte der Wechsel zum Automobil. Damit aber auch genügend Abnehmer für dieses neue Fortbewegungsmittel vorhanden waren, wurden in der eigenen Fahrschule die künftigen Chauffeure ausgebildet.

Mittlerweile konzentriert sich das Autohaus Gohm auf den Verkauf und die Wartung von Fahrzeugen. 1981 wurden mit Ferrari und Maserati die ersten Luxus-Automobilmarken ins Portfolio aufgenommen. Sieben Jahre später folgte die britische Traditionsmarke Bentley. Mit Bentley Singen ist das Autohaus Gohm der drittälteste Bentley-Händler in Europa.
Vor zehn Jahren erfolgte die Expansion in Richtung Stuttgart, in die Motorworld Böblingen. 2019 wurde mit dem Umbau der Werkstatt und der Vergrößerung des Bentley Showrooms auf knapp 450 qm begonnen – eine Investition in die Zukunft der Marke. Insgesamt kümmern sich momentan 14 Mitarbeiter um die Bentley-Kunden und deren hochwertige Fahrzeuge.

„Die Geschichte des Familienunternehmens Gohm ist geprägt von beständigen Werten, Begeisterung und Professionalität“, sagt Inhaber Thorsten Gohm, „das zeigt sich auch in den sehr persönlichen, wertschätzenden, ja freundschaftlichen Beziehungen zu unseren Kunden.“ Dies ist gelungen, weil er und seine Mitarbeiter auf die Bedürfnisse und Wünsche der
Kunden individuell eingehen.