Home Staging – Ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Immobilienbranche

Zu Deutsch könnte man es als Raumausstattung übersetzten. Aber Home Staging ist mehr als das. Es avanciert auch in Deutschland mehr und mehr zu einem wesentlichen Marketinginstrument für Immobilienmakler.

Der Mensch denkt in Bildern


Gerade einmal 20 Prozent aller Menschen können sich einen Raum vor ihrem geistigen Auge mit einer anderen als der vorhandenen Einrichtung vorstellen. Ebenso verhält es sich mit einem gänzlich leeren Raum. Das macht es einerseits schwierig eine Immobilie zu verkaufen, andererseits aber auch zu kaufen. Wenn wir uns nicht vorstellen können wie ein leerer Raum oder ein leeres Haus aussehen könnte, wenn wir selbst darin leben, dann fällt es auch schwer uns dafür zu entscheiden oder den Preis festzulegen. Das erschwert natürlich auch das Finden der Immobilie in der man leben möchte und zieht das Vorhaben Eigenheim teilweise erheblich in die Länge.
Für die Makler und somit auch für die Verkäufer ist das ebenso beschwerlich. Wechselt eine Immobilie nicht schnell genug den Besitzer, kann sich das stark auf den Preis auswirken. Man kann durchaus pauschal sagen: Je länger der Verkauf dauert, desto weniger bekommt man.

 

Erfunden haben das Home Staging die Amerikaner in den 60er Jahren. Schauspieler beauftragten professionelle Szene- und Bühnenbildner ihre zum Verkauf stehenden Immobilien, wie einen Drehort oder eine Theaterbühne (engl.: stage) für Interessenten zu inszenieren. Als Pionierin auf diesem Gebiet gilt die Maklerin Barb Schwarz aus Seattle (USA). Sie prägte dann in den 70ern auch den Begriff „home staging“. Die Resultate der Verkäufe waren mehr als nur gut. Teilweise erzielten die so inszenierten Immobilien bis zu 15 Prozent mehr, als es ohne diese Methode möglich wäre.

Renovieren – Reparieren - Installieren

Jetzt könnte man meinen dies sei nur gut für die Makler und Verkäufer. Das wäre jedoch weit gefehlt. Gerade der Kauf einer Immobilie, in der man leben möchte, ist ein hochemotionaler Prozess. Jede Immobilie ist anders, individuell genauso wie wir Menschen. Wenn wir uns entscheiden eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen, dann steht auf recht vielen Bedingungslisten „das Besondere Etwas“. Kaum einer kann das konkret definieren, denn es ist schlichtweg ein Gefühl, das Bauchgefühl.

Das entsteht allerdings selten in leeren Räumen, genauso wenig in den Räumen, die noch vom Vorbesitzer ausgestattet sind. Noch schwerer wird es, wenn eine Immobilie schon längere Zeit leer steht und erste Verfallanzeichen zeigen. Wenn Gärten vom Wildwuchs zugewachsen sind oder Tapeten halb zerfetzt an der Wand hängen. Deshalb ist das staging auch mehr als nur Räume mit Möbeln auszustatten. Gerade bei länger leer stehenden oder schon stark verfallenen Immobilien wird daher auch renoviert, repariert und installiert. Das bedeutet erst einmal eine Investition seitens des Verkäufers oder auch Maklers. Je nach Schweregrad etwas mehr oder weniger. Doch es lohnt sich. Denn im Zuge der grundlegenden Aufwertung steigt gleichzeitig auch wieder der Wert der Immobilie am Markt. Darüber hinaus braucht sich der neue Besitzer auch keine Gedanken darum machen, wie er es hätte bewerkstelligen können die Immobilie zu sanieren. Denn genau das wird sehr oft unterschätzt, wie man in diversen TV-Formaten („Ab in die Ruine“, „Die Schnäppchenhäuser“) zu sehen bekommt. Jede Immobilie hat ihren ganz eigenen Charakter und ihre ganz eigene Persönlichkeit. Professionelle Homestager sind in der Lage genau das zu erfassen. Sie bebildern diese Züge mit der jeweiligen Ausstattung an Möbeln, Dekoration und ggf. Sanierung. Dadurch können potenzielle Käufer auch in ihren Gefühlen abgeholt werden. Wer auf der Suche nach einem Objekt im Landhausstil ist, wird durch professionelles staging auch genau das fi nden. Die Vorauswahl wird somit erheblich erleichtert. Man spart Zeit und oft auch Stress. Und Zeit ist auch für Käufer ein wesentlicher Faktor, wenn im Zuge des Kaufes auch der Auszug aus der bisherigen Immobilie ansteht.

Ein Berufsbild mit Zukunft

Es hat ein wenig gedauert bis home staging über den Teich zu uns nach Europa gefunden und sich ein etablierter Beruf gebildet hat. In den 80er Jahren kam es in England an. Kurze Zeit später griffen es die Skandinavier auf und mittlerweile werden dort ca. 80 Prozent aller Immobilien mittels home staging verkauft. Seit knapp 10 Jahren sind die Homestager auch in Deutschland aktiv.

 

Auch das IHK Bildungshaus der IHK Region Stuttgart hat die Zeichen der Zeit erkannt und bietet seit diesem Jahr einen IHK zertifizierten Lehrgang zum Homestager an. Konkrete Informationen dazu finden Sie hier.

Die DGHR – ein aktiver Verband mit einer stetig wachsender Mitgliederzahl

2010 gründete sich die „Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign e.V.“ (kurz: DGHR) in Wiesbaden. Seit dem zählt die DGHR 250 aktive Mitglieder bundesweit mit dem Berufsbild „Homestager“ und hat dadurch auch eine Vorreiterrolle in Deutschland, Luxemburg, Österreich, der Schweiz und Italien eingenommen. Der Verein fördert und verstärkt das Berufsbild durch entsprechende Fort- und Weiterbildungen und bietet somit auch Qualitätssiegel. Es finden regelmäßig Austauschtreffen innerhalb der gesamten Immobilienbranche statt. Ebenso kann sich auch ein nicht professioneller Verkäufer informieren und findet auf der zur Verfügung gestellten Datenbank der DGHR den passenden und ortsnahen Partner.


© Autorin: Mandy Schneider

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