Bauakustik und Schallschutz - Was beim Bauen schon zu beachten ist

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Traum von den eigenen vier Wänden umfasst eine endlos lange Liste an To Do-Punkten und persönlichen Vorstellungen, Ideen und Must-Haves. Wer denkt dabei schon großartig über Bauakustik und Schallschutz nach? Doch das Thema sollte gerade beim Planen bereits in den Köpfen sein: „Schallschutz lebt vor allem von vorausschauendem Planen und einer guten Ausführung,“ sagt Dr. Peter Brandstätt, Abteilungsleiter Akustik beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP. 

Er versucht, gemeinsam mit dem gesamten Institut die Menschen daraufhin zu sensibilisieren, dass man den Schallschutz immer gedanklich im Kopf hat und anschließend die vereinbarten Werte und Maßnahmen überprüft. Erwiesenermaßen hat der Schallschutz von Gebäuden eine große Bedeutung für die Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit des Menschen. Dennoch lässt sich Schallschutz nicht allgemeingültig für alle Objekte pauschal definieren, sondern muss individuell und den örtlichen Gegebenheiten entsprechend angepasst werden. Dabei gehen die Anforderungen an den Schallschutz natürlich besonders mit einer Komponente Hand in Hand: dem Budget. Je größer und komfortabler die Schallschutzmaßnahmen, desto tiefer muss man dafür auch in die Tasche greifen.

Die Baukosten hängen dabei von den Konstruktionen und den Materialien ab. Damit ein gewisses Maß an Mindestanforderungen aber immer erfüllt wird, gibt es verschiedene Richtlinien und Verordnungen. Wie diese konkret aussehen, was es beim Planen und Bauen zu beachten gilt und welche Elemente verwendet werden können, lesen Sie hier.

 

„Die Aufgaben des Schallschutzes reichen von gesundheitlichen Aspekten über Privatheit bis hin zu Komfort.“

 

Beim Schallschutz an Gebäuden liegt die Aufgabe hauptsächlich darin, Geräusche, die von außen eindringen, durch die Außenbauteile wie Wände, Türen oder Fenster zu dämmen. Dabei gibt es verschiedene Anforderungen, die berücksichtigt werden müssen: bei Gebäuden, die an belebten Straßen entstehen sollen, muss der Schallschutz beispielsweise speziell nach dem Verkehrsaufkommen ausgerichtet werden. „Zum einen versucht man hier, den Gesundheitsaspekt zu berücksichtigen, also dem Anspruch an einen erholsamen und ungestörten Schlaf gerecht zu werden,“ erklärt Dr. Peter Brandstätt. „Zum anderen geht es natürlich auch um Aspekte der Privatheit, des ungestörten Lebens, und letztlich auch um Komfort und das ruhige Wohnen im urbanen Bereich.“

 

Aber auch die Bauakustik im Innenbereich unterliegt verschiedenen Qualitätsstandards: Bei Mehrfamilien-Einheiten kommt die DIN 4109 zum Tragen, die das Mindestmaß an Schallschutz konstatiert. Konkret regelt sie die Anforderungen an den Schutz gegen Luft- und Trittschallübertragung zwischen fremden Wohneinheiten oder Arbeitsräumen, gegen Außenlärm und gegen Geräusche von haustechnischen Anlagen und aus baulich verbundenen Betrieben. Bei eigenständigen Wohnhäusern ist der angemessene Schallschutz in der VDI Richtlinie 4100 beschrieben. Grundsätzlich ist guter Schallschutz sowohl in Massiv- als auch in Holzbauweise möglich. Massivbaustoffe mit hoher Rohdichte besitzen den Vorteil, dass bereits mit relativ schmalen Wänden eine verhältnismäßig gute Schalldämmung erreicht werden kann, während man gerade bei mehrstöckigen Holzgebäuden auf mehr Probleme stößt. Hier müssen oft aufwendigere Konstruktionen mit Luft- und Trittschallschutz eingebaut werden; dennoch bleibt die Holzbauweise aufgrund ihrer allgemein geringeren Kosten attraktiv und liegt aktuell schwer im Trend - unabhängig von der bauakustischen Komponente.

 

Die Elbphilharmonie ist weltweit einmalig in ihrer akustischen Bauweise, damit das Hörerlebnis nicht durch Geräusche von außen beeinträchtigt wird.

 

Das größte Problem bei der Bauakustik und der Ausrichtung des Schallschutzes sind sogenannte Schallbrücken: Diese entstehen, sobald eine direkte Verbindung zwischen Wänden, Massiv-Decken oder schwimmenden Estrich-Konstruktionen hergestellt wird. Das kann zum Beispiel an der Verbindung an einer Randfuge liegen, wodurch der Schall nicht mehr gedämmt, sondern übertragen wird. Dies ist nicht nur zwischen trennenden, sondern auch bei flankierenden Bauteilen zu beachten. Grundsätzlich gilt für Haustrennwände: die Fuge zwischen den Häusern muss vom Fundament bis zum Giebel getrennt und der Hohlraum vollflächig mit Mineralwolle Typ WTH verfüllt werden. Ein architektonisch einzigartiges Exemplar dafür ist der große Konzertsaal der Hamburger Elbphilharmonie: Damit weder Vibrationen durch Motorengeräusche noch Signale der vorbeifahrenden Schiffe nach innen dringen steht das Gebäude auf Hunderten, riesigen Stahlfederpaketen und ist damit als einziges Gebäude weltweit akustisch vollständig vom Rest abgekoppelt.

 

Ebenfalls kritisch für den Schallschutz sind Treppen. Um die Übertragung des Trittschalls zu minimieren, empfiehlt es sich die Treppenkonstruktion an den Auflagepunkten und der Wandbefestigung zu entkoppeln, zum Beispiel durch weichfedernde Unterlagen oder Wandanker mit Gummi. Leichte Treppen aus Holz und/oder Stahl sind akustisch schwieriger zu entkoppeln, als zum Beispiel massive Treppen aus Beton, die oft nur träge auf Schall reagieren. Die leichten Konstruktionen werden durch geringe Belastung bereits in Schwingung versetzt und leiten diese an die unterstützenden Bauteile weiter. Deshalb gilt es insbesondere bei Treppen darauf zu achten, dass keine Schallbrücken entstehen.

 

Ein weiteres Schallschlupfloch bieten Türen: „Türen müssen vernünftig schließen und neben einer umlaufenden Dichtung zusätzlich im Fußbodenbereich eine angebrachte Absenk-Dichtung haben, um einen guten Schallschutz zwischen den Räumen zu garantieren“, sagt Dr. Brandstätt. In einem Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP konnte außerdem festgestellt werden, dass auch innen liegende Wärmedämm-Systeme zum Schallschutz beitragen können. Dies ist abhängig von der jeweiligen Bauweise, den verwendeten Dämm-Materialien sowie der Verarbeitung. Dennoch konnte bei den meisten Konstruktionen eine Verbesserung des Schallschutzes festgestellt werden.

 

Planen, bauen, kontrollieren - Kennwerte weisen die Richtung für den optimalen Schallschutz an und helfen, die Ziele des Schallschutzes einzuhalten.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Elementen lässt sich Schallschutz nicht so einfach nachrüsten. Deshalb gilt es gerade in der Planungs- und Entscheidungsphase auf die Komponente Schallschutz zu achten und sich über die Mindestanforderungen und über die möglichen Formen eines sehr guten Schallschutzes zu informieren. „Viele vernünftige Bauteile haben einen entsprechenden Kennwert - das Einmal-Eins im Schallschutz besteht darin, sich diese Werte anzuschauen und beim Bauen zu berücksichtigen.“ Der Experte empfiehlt, insbesondere bei größeren Bauvorhaben oder gewerblicher Nutzung, aber an manchen Stellen auch im privaten Bereich, nachzumessen und kontrollieren zu lassen, ob die vertraglich vereinbarten Werte auch wirklich eingehalten wurden.

 

Neben weiteren Themen wurde auch für die Zukunft des Schallschutzes und der Bauakustik das „Leistungszentrum für Mass Personalization“ als gemeinsame Initiative der Fraunhofer-Institute am Standort Stuttgart mit der Universität Stuttgart ins Leben gerufen. Das Projekt wird von der Landesregierung gefördert und dient dazu, interdisziplinär und branchenübergreifend Methoden, Verfahren, Prozesse, Produktionssysteme und Geschäftsmodelle zur Herstellung personalisierter Produkte zu erforschen. „Damit könnten in Zukunft die Bedürfnisse der Nutzer noch präziser und vor allem früher im Prozessablauf angepasst werden“, erklärt Dr. Brandstätt. „Eine Matrix von verschiedenen Kriterien, zum Beispiel Design, Schallschutz, moderne Energiequellen, niedrige Kosten und weitere, könnten unterschiedlich gewichtet werden und so die Gebäudeplanung noch individueller werden lassen.“ Auch die Digitalisierung ist ein branchenübergreifendes Phänomen, das auch in der Bauphysik Einzug erhält: Simulationen könnten in Zukunft noch stärker auf die Verbraucherwerte eingehen und so bereits in der Planung, aber auch an späteren Zeitpunkten die Realität mit den virtuellen Möglichkeiten abgleichen und verbessern.

 

© Autorin: Jessica Schmucker

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