Warum Immobilienkäufer die GroKo Reformpläne mit Vorsicht genießen sollten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Koalitionsvertrag sorgt für verheißungsvolle Aussichten – Immobilienbranche betrachtet Pläne dennoch kritisch

 

Essen, 04.04.2018. Sehr hohe Miet- und Verkaufspreise von Wohnungen und Wohnungsknappheit in den Großstädten – die aktuelle Lage auf dem Immobilienmarkt ist ernüchternd und frustrierend, sowohl für Mieter als auch für Käufer. Die neue Große Koalition (GroKo) weiß, dass in der Immobilienpolitik etwas passieren muss und hat sich hierzu eine Hand voll Änderungsideen auf die Fahne geschrieben. Insgesamt sollen laut Koalitionsplan rund vier Millionen Euro in Deutschlands Immobilienwelt fließen. Ob aber die vorgesehenen Zwecke für das Geld tatsächlich nutzbringend sind, steht in Frage. Monica Kirchner ist Immobilienmaklerin und –expertin aus Essen und nimmt die angedachten Reformen sowie ihren Nutzen für Immobilienkäufer genauestens unter die Lupe.

SPD und Union möchten die Immobilienwelt wieder zu einem attraktiveren Ort für Käufer und Mieter machen. Ihr übergeordnetes Ziel lautet, dass Wohnraum für den Normalverdiener bezahlbar sein sollte – sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum Deutschlands. Speziell Mieter in teuren Ballungsgebieten und Familien, die ein Eigenheim erwerben wollen, sollen durch verbesserte Rahmenbedingungen in der Immobilienpolitik unterstützt werden.

 

Mietpreisbremse soll verschärft werden

 

 

Bereits 2015 wurde von der Großen Koalition die Mietpreisbremse ins Leben gerufen, um immens steigende Mietpreise in Ballungsgebieten, wie Köln oder Düsseldorf, aufzuhalten. Ein verschärftes Gesetz zur Mietpreisbremse soll nun noch konzentrierter darauf abzielen, dass die Maßnahmen greifen und nicht einfach umgangen werden können. Vermieter müssen zukünftig bei dem Abschluss eines Mietvertrags darlegen, wie hoch die Kosten der Wohnungsmiete bis dato waren. Obwohl der Vermieter laut Gesetz den Mietpreis nicht mehr als zehn Prozent über den örtlichen Mietspiegel anheben darf, gibt es eine Ausnahme: Die Mietpreisbremse gilt nicht, wenn die Miete bislang auch schon höher war. Ob die verschärfte Maßnahme tatsächlich greift und die Mietpreisbremse letztendlich wirksamer macht, bleibt abzuwarten.

Baukindergeld soll Familien zum Eigenheiminvestment motivieren

 

Während circa 70 Prozent aller Europäer ein Eigenheim besitzen, ist die Eigenheimrate in Deutschland auffällig gering: Die Deutschen belegen in Sachen Immobilienbesitz mit Abstand den letzten Platz in der EU.[1] Die GroKo möchte die Eigenheimrate nun anheben: Das geplante Baukindergeld soll den Eigenheimwunsch von Familien verstärken. Mit einem Zuschuss von 12.000 Euro pro Kind über einen Zeitraum von zehn Jahren soll die Realisierung eines Eigenheimtraums unterstützt werden.

 

„So verlockend und gut sich das Baukindergeld auch anhört: Die konkreten Rahmenbedingungen zum Erhalt des Baukindergeldes sind bislang noch nicht veröffentlicht. Eine euphorische Begrüßung dieses Plans der GroKo sollte daher erstmal zurückgestellt werden. Die Förderung könnte sich außerdem auch negativ auf die Immobilienpreise auswirken“, schildert Monica Kirchner. Darüber hinaus setzt das Baukindergeld am Kaufpreis an – das tatsächliche Sorgenkind eines Immobilienwerbers liegt allerdings in den Kaufnebenkosten, der Grunderwerbssteuer. „Vor allem die Grunderwerbssteuer macht den Kauf einer Immobilie sehr teuer: In NRW wurde sie zwischen den Jahren 2010 bis 2015 von 3,5 Prozent auf 6,5 Prozent erhöht. Das bedeutet eine Verdopplung innerhalb von fünf Jahren. Hinzu kommen die immens steigenden Immobilienpreise, wodurch die NRW-Regierung eine wahnsinnige Steuererhöhung gerechtfertigt hat und welche vor allem die Mittelschicht trifft. Da die Mittelschicht in der Regel Kredite aufnimmt, wurde damit auch die Bankenwelt immens unterstützt“, erklärt Immobilienexpertin Kirchner.

 

Auch wenn sich über weitere Kaufnebenkosten in vielen Fällen beklagt wird, wie zum Beispiel die Maklerkosten (bei kleinen Unternehmen 3 Prozent des Kaufpreises zuzüglich der abzuführenden Mehrwertsteuer) und Notargebühren (1,5 Prozent), hat sich die Höhe dieser Gebühren seit 20 Jahren nicht verändert – und bedeutet mit den Mehrwertsteuerabgaben letztendlich auch Steuereinnahmen für den Staat. Die wahre Preistreiberin und Nutznießerin der steigenden Preise stellt daher die Landesregierung dar, die sich nun so zu Wort meldet, dass die Reichen die Armen vernachlässigen.

 

Vorhaben grundsätzlich gut – Umsetzung verbesserungsdürftig

 

Der gute Gedanke der GroKo, in der Immobilienpolitik etwas zu bewegen, ist vorhanden, aber nicht an allen Stellen ausreichend genug durchdacht, um Wirkung zu hinterlassen. „Der einzig richtige Vorstoß zur Unterstützung des Mittelstandes, der Gruppe in Deutschland, die am meisten Steuern zahlt, ist die Senkung der Grunderwerbsteuer in NRW auf wieder 3,5 Prozent, wie in Bayern, die Abschaffung des Soli und eine ähnliche Unterstützung der Eigenheimzulage ins Leben zu rufen, wie sie 2001 einmal eingeführt wurde – so klappt es dann auch mit der Eigenheimquote“, schlägt Monica Kirchner vor. Um die Kaufpreise nicht unter einer einseitigen Belastung der Maklerkosten leiden zu lassen, empfiehlt  der Bundesimmobilienverband IVD, dem auch Monica Kirchner angehört, dass die Kosten gemeinsam von Verkäufern und Käufern getragen werden sollten. Die Pläne in der Immobilienpolitik haben demnach noch Verbesserungsbedarf.

 

Weitere Informationen unter https://www.kirchner-mahlstedt.de/

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