SMARTER UND BUNTER – DIE NEUESTEN KÜCHENTRENDS 2018

Foto: arsdigital - fotolia.com
Foto: arsdigital - fotolia.com

 

Kaum ein Raum hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so sehr verändert wie die Küche: früher strikt getrennt vom Wohnzimmer, diente sie vor allem der Funktionalität – dem Kochen und Backen.

Wenig Schnickschnack, Hauptsache viel Stauraum auf wenig Quadratmetern. Auch wenn Küchen damals schon in vielen Familien den Lebensmittelpunkt gebildet haben, heutzutage wird dieses Konzept immer effektiver und großzügiger in der Küchenplanung und -gestaltung umgesetzt.

 

Mehr denn je dominiert die offene Wohnküche

 

Offene Wohnküchen bestimmen weiterhin die Trends der Sparte und verbinden damit auch zentrale Elemente des sozialen Lebens und Entspannens rund um die Herdplatten. Der Innovationsgrad im Küchenbereich liegt im Verhältnis zu Wohnmöbeln sogar um ein Vielfaches höher. Sogenannte Lift-Fronten im Oberschrank stehen dem Benutzer nicht mehr im Weg und ermöglichen einen optimierten Gesamtzugriff sowie mehr Platz im Raum. Moderne Arbeitsplatten bestechen durch vollendete Oberflächenveredelung und durch schicke Farbigkeit. Wie die Küchen der kommenden Saison aussehen, welche neuen Techniken sie haben müssen und aus welchen Materialien die Küche von morgen besteht, stellen wir Ihnen auf den kommenden Seiten vor.

 

Wohnen, Kochen, Leben – der integrative Küchentrend setzt sich weiter fort und verbindet alle Bereiche des Zusammenlebens am Herd

 

„Es gibt keine klassischen Küchen mehr“, sagt Markus Majerus, Sprecher der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne, die jedes Jahr in Köln stattfindet und die Trends der Inneneinrichtung für die nächste Saison setzt. Im Einklang damit glaubt der Trendforscher Frank A. Reinhardt, dass sich sogar „die typischen Bezeichnungen Wohnzimmer oder Küche irgendwann auflösen“. Steht jetzt niemand mehr hinterm Herd? So leicht lässt sich das Herzstück des Zusammenlebens dann doch nicht verdrängen – ganz im Gegenteil.

 

Offene Grundrisse und die daraus resultierende Verschmelzung von Wohnzimmer und Küche zur Wohnküche sind extrem förderlich für mehr Integration und bessere Kommunikation. Nicht nur die Wände zwischen den Räumen, sondern auch die Grenze zwischen Koch und Gästen verschwindet so immer mehr.

 

Durch die Verschmelzung von Küche, Ess- und Wohnzimmer muss ein farbliche Abstimmung erfolgen

 

Mit diesem trennungsfreien Konzept kommen allerdings auch neue Herausforderungen: Möbel und Geräte müssen zusammenpassen. Die Küche in lila und im Wohnzimmer dominiert türkis - das kann man so einfach nun nicht mehr umsetzen. Statt drei Räume für Essen, Kochen und Wohnen mit drei Möbelsets, richtet man nun einen einzigen Bereich ein. Auch die Einflüsse und Trends der individuellen Raumkonzepte schlagen Wellen in den jeweils anderen Wohnraum. Lange Zeit zum Beispiel waren Küchen ohne blickdichte Türen unvorstellbar – wer will schon Töpfe, Vorräte oder das Nudelsieb von außen sehen? Inzwischen kombinieren viele Hersteller diverse Regaltypen im Kochbereich: Teller und die Kochbuchansammlung werden nebeneinander in offenen Regalen aufbereitet und lassen somit die beiden Räume endgültig miteinander verschmelzen. Manche entwerfen sogar ganze Serien an passendem Küchen- und Wohnzimmermobiliar.

 

Die einheitlichen und integrierten Konzepte müssen alle Bereich umfassen, von den Herdplatten in der Küche bis zur geschmackvollen Inneneinrichtung

 

In der Wohn-Koch-Welt ist auch die extrem beliebte und weit verbreitete Kücheninsel zu Hause. Wo vorher Wände waren, stehen heute luftige Theken mit Barhockern oder frei stehende Kochinseln, die den Koch noch näher an seine Gäste bringt. Auch in ihrer Form werden die Kochinseln immer kreativer: von klassischen Würfeln und länglichen Rechtecken bis hin zu ovalen oder Ypsilon-förmigen Lösungen ist alles flexibel einsetzbar. Ebenfalls schwer im Trend sind auch die eine Zeitlang aus der Mode geratenen Sitzbänke am Esstisch. Die Gemütlichkeit aus dem Wohnzimmer bekommt so auch in der Küchennische wieder einen Platz und lädt zum Verweilen ein.

 

Die offenen Konzepte von Wohnen und Kochen erfordern auch eine entsprechende Raumausstattung. Neben abgestimmten und einheitlichen Farbkonzepten sind auch die Griffe an den Möbelfronten von Bedeutung. Viele Deutsche setzen immer noch auf eine moderne Küche mit glatten Fronten. Besonders ruhig, modern und elegant wirken Räume, wenn die Fronten nicht durch sichtbare Griffelemente unterbrochen werden. Insbesondere edle Lack-, Beton- oder Metalloberflächen und Furniere kommen so speziell zur Geltung. Dies macht sich auch in den Ausstellungen der Küchenhersteller bemerkbar, die viele puristische, grifflose Küchen zeigen. Dennoch lassen sich die grifflosen Möbel bequem und einfach öffnen. Türen und Schubladenblenden mit nach hinten abgeschrägten Frontkanten, in die Türkante eingefräste Griffmulden oder integrierte Profilgriffleisten erlauben weiterhin das Aufziehen der Front. Des Weiteren wurden System zur Öffnungsunterstützung konzipiert, die mechanisch oder mit elektrischem Antrieb arbeiten.

 

Es kommt Farbe ins Spiel – immer mehr Küchenhersteller bieten bunte Küchenkonzepte an: „Mit Farbe kann man die komplette Wirkung eines Raumes gezielt beeinflussen“

 

Auch wenn sich die klassische, weiße Küche weiterhin großer Beliebtheit erfreut, präsentieren viele Hersteller eine große Farbenvielfalt in Küchen. „Ganz erheblichen Einfluss hat Farbe aber auch auf der physischen Ebene, da sich die Wirkung von Räumen und aller darin befindlichen Objekte mit Farben gezielt beeinflussen lässt“, sagt Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche e.V. (AMK), Kirk Mangels. Bei der Farbpalette gibt es hier keine Grenzen – auf den vergangenen Messen strahlten die inszenierten Modellküchen von erdigen Rottönen, über Neonfarben in allen Variationen bis hin zu dunkleren Tönen wie tiefem Blau. Neben den ganzheitlichen Konzeptvorschlägen werden kräftige Farben immer öfter auch als Akzente in klassisch gestalteten Küchen gesetzt. Gelb und Orange zum Beispiel bringen Schwung und Farbe in die Küche und lassen diese freundlich und einladend erscheinen. Außerdem erleben die Farben Blau und Grau ein Comeback: insbesondere Grau ist sehr gefragt. Ob Hell- oder Dunkelgrau, die Küchen wirken elegant und lassen sich toll mit Geräten und anderen Highlights kombinieren. Blaue Elemente werden hingegen eher einzeln in Szene gesetzt – auch wenn ganzheitliche dunkelblaue Frontverkleidungen den Küchen einen Hauch Eleganz verleihen, während hellblaue für einen leichten, luftigen Look sorgen. Auch neue Farbkreationen wie „Sand-Curry“ oder „Greige“, eine Mischung aus Beige und Grau, bieten noch mehr individuelle Nuancen in angenehm hellen und gut kombinierbaren Stilen an. Gemeinsam mit Edelstahl- oder Natursteinarbeitsplatten wirkt die Küche somit zeitlos und geschmackvoll – schließlich sind Küchen eine langfristige Investition, deren Basis lange erhalten bleiben soll. Wer daher in seine klassische Küche farbliche Akzente setzen möchte, kann dies mit wenigen Handgriffen in die Tat umsetzen, weiß Kirk Mangels: „In weißen Küchen lässt sich bereits mit ein paar neuen Farbakzenten im Umfeld ‒ z. B. bei den Regalsystemen, Arbeitsplatten, Hausgeräten, Spülen und Küchenarmaturen oder in der Küchennische – ein ganz neues Küchenfeeling zaubern: Je nach Intention und mit dem entsprechenden Lichtkonzept, von dezent bis intensiv und kraftvoll.“

 

Trotz der vielfältigen Farbauswahl ist beim Zusammenstellen Vorsicht geboten, denn ein Zuviel an Farbigkeit kann erdrückend wirken, während ein Zuwenig den Raum schnell steril und kühl wirken lässt. Im aktuellen Küchenmöbelangebot gibt es neben den neuen Trendfarben natürlich auch das klassische Naturfarbenspektrum. Alles in allem können Küchenkäufer aus einem abwechslungsreichen und attraktiven Farbangebot ihre persönlichen Wünsche frei zusammenstellen; dies gilt für Elektrogeräte, Kühlschränke und natürlich insbesondere für Küchenmöbel. Allgemein wird empfohlen, nicht mehr als drei Grundfarben miteinander zu kombinieren. Accessoires und Dekorationen können saisonale Akzente setzen und lassen die Küche wohnhaft und individuell erscheinen.

 

Baustelle Wohnküche: Beton und Metall können stylisch integriert werden und kombinieren Dekorationstrend mit Küchenfunktion

 

Wer bei Beton an eine graue, zähe Masse und große Wohnblöcke denkt, muss seine Fantasie nun etwas erweitern – und zwar auf die Küche. Als „Marmor der Neuzeit“ wird das Baumaterial „Beton“ bezeichnet und es etabliert sich zunehmend im Innenbereich als anspruchsvoller und puristischer Look. Beton gilt außerdem als natürlicher, vielseitiger und grenzenlos einsetzbarer Werkstoff. Formen und Oberflächen können frei und vielseitig gestaltet werden, weswegen es von der Vase über den Lampenschirm bis hin zu ganzen Tischen alles zu erwerben gibt, was das Inneneinrichtungsherz begehrt. Mit seiner zeitlosen Schlichtheit bietet Beton die idealen Voraussetzungen, um sowohl im Innen-, als auch im Außenbereich eingesetzt zu werden. In Kombination mit filigranen Hölzern, Edelstahl und integrierten Lichtleisten entsteht ein spannender Materialmix mit individuellem Charisma.

 

Neben Beton ist auch das klassische Metall auf dem Vormarsch: aufgrund ihrer besonderen Optik und durch ihre Lichtreflektion veredeln Metallkonstruktionen – ob Edelstahl, Chrom, Gold, Silber oder auch Titan – Stoffe, Möbel, Accessoires und Tapeten im Wohn- und Kochbereich. Sowohl in Accessoires als auch als Rückwände oder ganze Regalsysteme verleihen Metalle ein ausgefallenes, modernes Ambiente und lassen sich gut mit anderen Farben und Materialien kombinieren.

 

„Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr. Deshalb bietet sich ein effizienter Umgang mit der Zeit und den neuen smarten Technologien an.“

 

Die neuesten Anwendungsszenarien sind vielfältig und gehen über das Steuern und Kontrollieren der Küchentechnik weit hinaus - ortsunabhängiges, flexibles Zeit- und Haushaltsmanagement lautet die Zauberformel. Vernetzbare Hausgeräte bieten eine Reihe interessanter digitaler Services, die das Leben flexibler, bequemer und sicherer machen und transformieren die neuen Lifestyleküche damit zur smarten Kommunikationszentrale. Energieeffizienz, Design und Funktionalität stehen beim Kauf neuer Einbaugeräte für die Küche ganz oben auf den Wunschzetteln der Konsumenten. „Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr. Deshalb bietet sich ein effizienter Umgang mit der Zeit und den neuen smarten Technologien an“, sagt Kirk Mangels.

 

Und damit eben die Küche auch an die Schnelllebigkeit angepasst wird, werden zum Beispiel Highend-Geschirrspüler mit Turbogang hergestellt: in nur 11 Minuten strahlen Gläser und Teller wieder. Dabei arbeitet das Gerät besonders energieeffizient (A+++ -10 %). Ähnlich rasant arbeiten auch Premium- Backöfen – in 7 Minuten auf 200 °C. Zusätzlich erleichtern präzise Temperaturregelungen und Spezialfunktionen wie Rezeptvorschläge, Schongaren oder Pizza-Stufe das Kochen und Backen. Aber nicht nur die Temperatur aufdrehen, sondern sie auch möglichst schnell wieder auf ein entsprechendes Kälteniveau zu bekommen, ist mit neuen Technologien möglich: ausgeklügelte Sensoren stellen die ursprüngliche Temperatur in Kühlgeräten auch bei hochsommerlichen Temperaturen und mehrfachem Türöffnen schnell wieder her. Dabei wird auch die Luftfeuchtigkeit permanent optimiert, damit die Lebensmittel ihre Frische länger bewahren.

 

Auch bei den technischen Gadgets setzen die Hersteller auf die neue Symbiose zwischen Kochen und Wohnen sowie auf Komfort durch kluge Technik

 

Wer schleppt schon gerne Kistenweise Wasser in den 4. Stock? Das Trinkwassersystem „Blue Home“ von Grohe besteht aus einer speziellen Armatur mit integriertem Filter und CO2-Flasche und lässt sich schnell und einfach in jeder Küche installieren. Ab jetzt gibt es also gekühltes Wasser – je nach Wunsch in still, medium oder sprudelnd – direkt aus dem Hahn.

 

Zwar gibt es noch nicht den perfekt programmierten Koch-Roboter, aber die neuen Sensoren der Geräte von Bosch denken bereits fleißig mit: „Perfect Air“ (Dunstabzug), „Perfect Cook“ (Koch-Assistent), „Perfect Bake“ (Back-Assistent) und „Perfect Dry“ (Geschirrspüler) reagieren ohne menschliche Hilfe. Töpfe laufen nicht mehr über, Essen brennt nicht mehr in der Pfanne an und die Dunstabzugshaube reguliert die Läuftung je nach Stärke des Kochdunstes von alleine – praktische Küchenhelfer allesamt. In unterstützender Funktion findet man die Sensoren auch bei neuen Kochfeldern, die mit einem intuitiven TFT-Touchdisplay ausgestattet sind, das auf schnelle und unkomplizierte Bedienung durch eindeutige Bildsprache setzt.

 

Ganz im Sinne der engen Verknüpfung zwischen Wohnraum und Küche haben Hersteller bei den integrierten Lautsprechern in der Küche gesetzt: Ob mit Verstärker in einer Dunstabzugshaube oder unauffällig im Korpus eines Küchenschranks – Musik kommt jetzt direkt aus der Küche. Über Bluetooth lässt sich die Lieblingsmusik zum Kochen einfach abspielen und beschallt Koch und Gäste gleichermaßen und großflächig beim Kochen, Essen und Genießen.

 

Smartphones haben schon lange unseren Alltag erobert und können neben sozialen Medien auch via App das Licht regeln, sicher durch Straßenverkehr navigieren – oder eben den Kühlschrank scannen und die Einkaufsliste entsprechend anpassen. Diverse Hersteller vernetzen Kühl- und Gefriergeräte über eine sogenannte Smart-Device-Box mit dem Smartphone, damit man von unterwegs nachschauen kann, was sich noch im Kühlschrank befindet. Das ganze kann auf zahlreiche weitere Küchengeräte ausgedehnt werden. Wenn sich der Backofen aus dem Zug vorheizen lässt, spart man dabei nicht nur Zeit, sondern kann durch die Möglichkeiten zur Überprüfung und Fernsteuerung auch stets sicher gehen, ob auch wirklich alle Geräte ausgeschaltet sind. Bosch, Siemens oder auch Miele setzen mit ihren individuellen Systemen auf eine umfangreiche Vernetzung der einzelnen Geräte und durch Kooperationen mit zusätzlichen Anbietern auf einen Rundum- Service. Mit Partnern wie Hello Fresh oder Amazon sowie Spracherkennungssystemen zieht Komfort und Flexibilität verstärkt in die modernen Küchen von heute ein.

 

© Autorin: Jessica Schmucker

Kommentar schreiben

Kommentare: 0