HERBSTZEIT IST HEIZUNGSZEIT – SO WIRD DIE HEIZUNG WINTERFEST GEMACHT

Foto: zoomingfoto1712 - fotolia.com
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Wenn die ersten Kastanien auf dem Boden liegen, die Nächte wieder kühler werden und in den Supermärkten die ersten Weihnachtsdekorationen zu finden sind, steht bekanntlich der Herbst vor der Tür. Das bedeutet neben regelmäßigem Laubrechen vor allem auch, das Haus auf Vordermann zu bringen und winterfest zu machen.

Dabei vergessen viele gerne die Heizung, obgleich diese das Potential für einen warmen, stressfreien und sparsamen Winter in sich birgt. Bei richtigem Heizverhalten und guter Vorbereitung lässt sich einerseits der Geldbeutel spürbar entlasten, andererseits kann man viel Energie sparen und somit die Umwelt schonen. Allerdings müssen dafür einige Vorkehrungen getroffen werden, indem man die Heizkörper korrekt wartet. Gänzlich ohne Heizkosten kommt man natürlich nicht durch die kalte Jahreszeit, aber Optimierungen können eine nachhaltig positive Auswirkung auf die Endabrechnung haben. Durch korrektes Heizverhalten und eine Überprüfung der Heizkörper sowie der dazugehörigen Komponenten lässt sich oftmals ein dreistelliger Betrag einsparen, je nach Haushaltsgröße und Heizintensität. Verbraucherverbände warnen, dass rund 75 Prozent aller Heizungen und Heizanlagen in Deutschland ineffizient arbeiten – das ist verlorenes Geld, denn so erhalten Sie wesentlich weniger Warme für jeden investierten Euro. Darüber hinaus müssen laut Energieeinsparverordnung (EnEV) seit Ende 2011 in den meisten Gebäuden alle oberirdisch verlaufenden Heizungs- und Warmwasser-Rohre gedämmt sein. Worauf Sie bei der Vorbereitung auf den Winter und beim Heizen achten sollten und wie man mit Hilfe einiger zusätzlicher Elemente und Tricks richtig spart, erfahren Sie hier.

 

Heizen und Lüften will gelernt sein - es lohnt sich aber, denn damit wird der Geldbeutel entlastet und die Umwelt geschont

 

Ob eine Heizung gewartet oder optimiert werden muss, kann an einigen ersten Merkmalen festgestellt werden. Verursachen die Rohre beispielsweise ein gluckerndes Geräusch, oder werden Räume unterschiedlich schnell warm, kann dies zur Ursache haben, dass kein hydraulischer Abgleich durchgeführt wurde und die Heizung damit unnötig viel Energie verbraucht. Außerdem deutet ein warmer Heizungskeller auf schlecht gedämmte Rohre hin, bei welchen Wärme ungenutzt verpuffen kann. Wenn ein Heizkörper unverändert warm bleibt, ist dies ein Indiz für ein defektes Thermostatventil. Auch schwergängige Thermostate regulieren die Temperatur nicht mehr korrekt und sollten ausgetauscht werden.

 

"Im Vorfeld sollte man den Fachhandwerker nach dem Heizungscheck fragen. Mit dem Verfahren kann er konkrete Einsparungspotenziale aufzeigen", sagt Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Mit unseren 10 Tipps können Sie Schritt für Schritt überprüfen, ob und was an der Heizung getan werden muss damit diese Sie sicher und warm durch den Winter bringt. Besonders das Heizverhalten hat neben den technischen Vorkehrungen einen großen Einfluss auf die Kosten und Energieeinsparungen. Im Winter muss es nicht unbedingt 25 Grad warm sein in den Wohnräumen – jedes Grad weniger spart Heizenergie, laut Statistiken pro Grad bis zu sechs Prozent. Die optimale Raumtemperatur liegt bei etwa 20 Grad, in manchen Räumen genügen aber oft schon weniger: In der Küche heizen Herd und Kühlschrank mit, im Schlafzimmer reichen etwa 17 Grad für einen guten Schlaf. Von stromgebundenen Heizelementen raten Experten eher ab - sollten diese dennoch verwendet werden, dann nur äußerst sparsam.

 

Neben effizientem Heizen gehört auch richtiges Lüften zum einsparenden Heizverhalten dazu. So treiben zum Beispiel Fenster in Dauerkippstellung den Energieverbrauch unnötig in die Höhe. Stattdessen sollten Räume in der warmen Jahreszeit drei- bis viermal täglich für jeweils fünf bis zehn Minuten bei weit geöffneten Fenstern gelüftet werden, wohingegen im Winter Stoßlüften mit kürzeren Zeitabständen empfehlenswert ist. Während des Lüftungsvorgangs sollten die Heizkörperventile zugedreht werden, denn sonst laufen sie auf Hochtouren. Des Weiteren sollten Türen zu weniger beheizten Räumen wie dem Schlafzimmer geschlossen gehalten werden, damit sich kein Tauwasser an den kühlen Außenwänden bildet.

 

Wenn der Winter an die Türen klopft und die Heizungen aufgedreht werden, können ebenfalls einige kleine Handgriffe viel verändern. Herabgelassene Rollläden und geschlossene Vorhänge – ohne die Heizkörper zu verdecken – verringern den Wärmeverlust durch die Fenster und schützen gleichzeitig vor Zugluft. Während der Heizperiode sollten außerdem Dachboden- und Kellerfenster geschlossen bleiben, damit die Wärme auch wirklich innerhalb der eigenen vier Wände bleibt.

 

10 TIPPS IM UMGANG MIT DER HEIZUNG:

 

1. Energiesparen bedeutet nicht Platzsparen - Heizkörper brauchen Luft

 

Einer der häufigsten „Fehler“ ist es, Heizkörper durch Möbel zu verdecken. Weder sollte ein Sofa direkt vor der Heizung platziert werden, noch ist es ratsam, Vorhänge direkt davor aufzuhängen. So entsteht eine Wärmebarriere, die verhindert, dass die warme Luft gleichmäßig und effizient durch den Raum zirkulieren kann. Mit ausreichenden „Spielräumen“ für Heizkörper können allein schon bis zu fünf Prozent Heizenergie eingespart werden.

 

2. Entlüften ist das A und O

 

Neben genug Freiraum für die Heizkörper ist das Entlüften eine der wichtigsten Schritte, um die Heizung winterfest und voll funktionsfähig zu machen. Dazu sollte man zuerst die Umwälzpumpe ausschalten und anschließend mit einem Vierkantschlüssel die Vierkantschraube am Heizkörper öffnen. Die Schraube muss so lange geöffnet werden, bis keine Luft mehr, sondern nur noch Wasser austritt – am besten rüstet man sich im Vorfeld schon mit einem kleinen Auffangbehältnis aus, damit das Ganze nicht in einer großangelegten Herbstputzaktion endet. Diese Schritte sollten an allen Heizkörpern im Wohnraum durchgeführt werden.

 

3. Nicht nur sauber, sondern rein – Heizkörper reinigen

 

Damit auch wirklich jedes Staubkorn entfernt werden kann, empfiehlt es sich nach Ausschalten der Heizung den Heizkörperdeckel abzunehmen. Nun kann als erstes die Rückseite des Heizkörpers abgesaugt werden. Dies kann entweder mit einer Staubsauerfugendüse oder einem weichen Schwamm durchgeführt werden. Feuchte Flaschenbürste oder Dampfreiniger eignen sich hingegen ideal für die kleinen Lüftungsschlitze. Dabei am besten ein feuchtes Tuch als Staubfänger unter dem Heizkörper platzieren. Falls man auf extrem fest sitzenden Schmutz trifft, sollte anstatt eines scharfen Schwammes besser ein Reinigungszusatz verwendet werden, um die oberste Schicht nicht abzutragen. Je nach Alter eines Heizkörpers kann auch ein frischer Anstrich nicht schaden. Der Putzvorgang ist nicht nur aus hygienischen und ästhetischen Aspekten wichtig, sondern auch aus Effizienzgründen: Eingebrannter Dreck reduziert die Leistung des Heizkörpers um bis zu 30 Prozent.

 

4. Kein Druck - Wasserdruck überprüfen

 

Die sogenannte Umwälzpumpe sorgt für den dynamischen Wasserdruck der Heizkörper. Um den statischen Druck der Wassersäule herauszufinden, liest man schlicht am Manometer des Heizkessels Druck und Wasserstand ab. Bei Druckverlust unter einem bar sollte man das Wasser nachfüllen, da sich ansonsten die Heizungsanlage abschalten könnte. Um das Risiko von Undichtheiten zu vermeiden, ist es ratsam, den Wasserdruck möglichst über den grünen Grenzwert hinaus aufzubauen.

 

5. Wärmeverteilung optimieren

 

Damit die Wärmeverteilung optimal angelegt ist und Verluste vermieden werden, empfiehlt es sich die Heizungsrohre zu dämmen. Dafür sind vorgefertigte Dämmschläuche erhältlich, deren Dämmstoff jedoch mindestens so dick wie der Rohrdurchmesser sein muss. Bei Geräuschen innerhalb der Heizkörper oder einer ungleichmäßigen Wärmeverteilung bietet es sich an, von einem Installateur einen hydraulischen Abgleich durchführen zu lassen, damit Heizkessel, -körper und -pumpe verlustarm und unbeeinträchtigt miteinander funktionieren. Die effiziente und saubere Einstellung des Heizsystems durch einen hydraulischen Abgleich der Heizung stellt sicher, dass die Wärme optimal im Haus verteilt wird. Dazu werden alle Komponenten der Heizungsanlage - vom Heizkessel bis zur Heizungspumpe - richtig dimensioniert und auf den Energiebedarf Neben dem regelmäßigen Entlüften solllte man die Heizkörper auch ab und an reinigen. des Hauses abgestimmt. Das Ergebnis: In der Heizung ist stets die richtige Wassermenge mit der richtigen Temperatur zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

 

6. Therme richtig einstellen

 

Am besten wählt man eine niedrige Einstellung für die Heizungstherme und den Heizkessel, da beide besonders viel Energie benötigen. Je niedriger die Voreinstellung, desto größer die Einsparung – hier lohnt es sich also ebenfalls genau hinzuschauen und die richtigen Werte einzugeben, damit sowohl Energie als auch Kosten gespart werden können.

 

7. Regelung des Thermostats

 

Programmierbare Thermostate helfen, die Temperatur der Wohnung bequem und dem individuellen Tagesablauf entsprechend zu regulieren. Am besten stellt man diesen auf eine persönliche, gleichmäßige Wunschtemperatur ein, damit ständiges Auf- und Abheizen vermieden werden kann. Dafür eignet es sich beispielsweise tagsüber eine konstante Temperatur zu wählen und nachts eine geringere Temperatur einzustellen. Es empfiehlt sich außerdem die Therme so niedrig wie möglich anzusetzen: Eine geringere Raumtemperatur von zwei Grad Celcius bedeuten bereits zwölf Prozent weniger Verbrauch von Heizenergie. Des Weiteren kann man bei längerer Abwesenheit die Raumtemperatur auf 12 bis 15 Grad Celsius senken und das Heizwasser mit Frostschutz anreichern, damit dieses nicht einfriert. Die programmierbaren Ventile sind leicht montierbar und können beim Umzug mitgenommen werden. Im Fachhandel gibt es sie bereits ab 30 Euro zu kaufen.

 

8. Nach der Heizungspumpe schauen

 

Ist die Temperatur richtig eingestellt, muss des Weiteren überprüft werden, ob die Heizungspumpe das erwärmte Wasser auch korrekt zu den einzelnen Heizkörpern befördert, ob diese sich individuell regeln lassen und entsprechend reagieren sowie ob sie wärmegedämmt ist. Auch hier kann die regelmäßige Kontrolle zu einer Leistungssteigerung und Kosteneinsparung führen: alte Pumpen verbrauchen im Vergleich zu neuen bei gleichem Vorgang circa 70 Prozent mehr Strom.

 

9. Raumtemperaturregler richtig einstellen

 

Der Raumtemperaturregler ist für die exakte und automatisierte Einstellung der Heizung zuständig, indem die Raumtemperatur permanent der voreingestellten Programmierung folgt. Am Regler können die gewünschten Tagesund Nachtabsenktemperatur und die tatsächliche Absenkzeit eingestellt werden. Das Heizverhalten kann man auf diesem Weg automatisch beeinflussen und kontrollieren. Einzelne Räume können auch unterschiedlich stark beheizt werden. Im Wohnzimmer mögen es die meisten wärmer, im Schlafzimmer kühler – dies kann entweder durch einzelne Regler bestimmt werden, oder durch simples Türenschließen.

 

10. Regelmäßige Heizungswartung

 

Auch bei neuen Heizungsanlagen ist es angebracht, die Kessel- und Vorlauftemperatur fachmännisch einzustellen. Weiterhin sollte ein Installateur eine Funktionsprüfung der Regelung und Sicherheitseinrichtungen vornehmen und gegebenenfalls Verschleißteile erneuern. „Die regelmäßige Wartung der Heizung durch einen Fachmann erhöht die Lebensdauer der Anlage und senkt die Energiekosten“, so die Deutsche Energieagentur (dena). Bei einer fachmännischen Wartung fallen kostenfressende Mängel wie etwa eine zu hoch eingestellte Vorlauftemperatur auf und können vom Profi gleich behoben werden. In jedem Fall sollte man vor der Wartung Angebote mehrerer Fachbetriebe einholen, um einen günstigen Preis zu gewährleisten. Wer eine Gasheizung hat, sollte zudem überprüfen, ob sein Gasanbieter noch immer günstig ist. Empfehlenswert ist es, zu Beginn der Heizsaison die Heizungstherme und Heizungskessel professionell reinigen und richtig einstellen zu lassen. Somit verbessern Sie nicht nur Ihren wohnlichen Komfort, sondern sparen auch bis zu zehn Prozent mehr Energie ein.

 

© Autorin: Jessica Schmucker

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