TEUER WOHNEN - Die Suche nach Luxusimmobilien

Foto: slavun - fotolia.com
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Der Ansturm auf Häuser und Eigentumswohnungen ist ungebrochen: Selten hatten es Makler einfacher, etwas zu verkaufen. Besonders hoch im Kurs stehen dabei trotz zunehmend explodierender Preise die so genannten Luxusimmobilien, auf die in machen Gegenden regelrecht Jagd gemacht wird.

Fast überall in der Landeshauptstadt und der Region Stuttgart, wo in der obersten Preisklasse gebaut wird, können die Bauträger binnen kürzester Zeit die „Verkauft“-Schilder anbringen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Wohnturm Cloud No 7 in der Stuttgarter Innenstadt, in dem bei geschätzten Quadratmeterpreisen von bis zu 16 000 Euro schon lange vor dem Einzugstermin in diesem Frühjahr nichts mehr zu haben war.

 

Der Wohnturm Cloud No 7 prägt das neue Stuttgarter Stadtbild entscheidend

 

„Wohnen auf Wolke 7“ lautet der Slogan, mit dem die Projektentwickler den markanten City-Tower im Europaviertel beworben hatten. Mit ihrem Konzept haben sie sich dabei durchaus auf Neuland in der Region Stuttgart gewagt: Exklusive Business- Apartments mit Rundumservice, Luxus-Eigentumswohnungen und ein 500 Quadratmeter großes Penthouse in der 18. Etage kombiniert mit einem First-Class-Hotel. So einmalig wie dieses Wohnungsangebot bisher ist, so groß war das Interesse daran bereits in der Bauphase. „Die starke Nachfrage insbesondere von Käufern aus Stuttgart und dem Umland zeigt uns, dass offenbar viele auf ein solches Angebot gewartet haben, das in vertrauter Umgebung ein Lebensgefühl wie in New York oder einer anderen Weltstadt vermittelt“, so der Stuttgarter Investor Tobias Fischer, Vorstand der Schwäbische Wohnungs AG, der in dem neuen Wohn- und Hotelturm auch einen Leuchtturm mit großer Impulskraft für das gesamte Quartier sieht, der das neue Stadtbild Stuttgart an seinem exponierten Standort an der Heilbronner Straße entscheidend prägt. Insbesondere die Kombination aus internationalem Anspruch gepaart mit deutscher Marktsicherheit würden die Kunden schätzen. Ein chinesisches Ehepaar sei eigens aus Peking angereist, um zwei Business- Apartments zu erwerben, so Tobias Fischer.

 

Unter den Käufern der Luxusimmobilien sind häufig Senioren, die sich einen Altersruhesitz in Stuttgart gönnen wollen

 

Angeheizt wird der Trend zum Betongold, also dem Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Hauses, durch die anhaltende Niedrigzinsphase und die vergleichsweise unsicheren Finanzmärkten, die kaum noch Rendite abwerfen und zudem hohe Risiken bergen. Die Folge davon ist, dass die Immobilienpreise in den großen Metropolen und Ballungsräumen seit Jahren steigen – eine Ende dieses Trends ist bisher nicht in Sicht. Immer wieder werden bei einzelnen Objekten neue Rekordpreise erzielt, auch der Wohnturm Cloud No 7 dürfte demnächst wohl nicht mehr zu den teuersten Adressen der Stadt gehören. Unter den Käufern dieser Luxusimmobilien sind derweil nur vergleichsweise wenige russische oder chinesische Anleger, wie jüngst das Bankhaus Ellwanger und Geiger berichtet hat. Oftmals seien es Senioren, die ihr Einfamilienhaus in der Region verkaufen und sich einen Altersruhesitz in Stuttgart gönnen wollen.

 

Die Halbhöhenlagen führen nicht mehr das Ranking der Toplagen in Stuttgart an

 

Einfamilienhäuser in guter Lage sind in der Landeshauptstadt und auch in vielen umliegenden Kommunen wie Sindelfingen, Esslingen, Leonberg oder Ludwigsburg längst nicht mehr unter einer Million Euro zu haben. In der Halbhöhe werden Preise von bis zu 3,6 Millionen bezahlt. Und auch bei Eigentumswohnungen sind Preise von 12 000 Euro pro Quadratmeter und mehr keine Seltenheit mehr. Zum Vergleich: die Grenze von 10 000 Euro pro Quadratmeter wurde in der Stadt erstmals im Jahr 2012 durchbrochen. Der bisherige Spitzenwert von 15 425 Euro pro Quadratmeter wurde für die Wohnung im obersten Geschoss des Luxuswohnturms Cloud No 7 an der Heilbronner Straße erzielt. Der exklusive Wohntum steht damit gleichzeitig auch für einen anderen Trend: Denn anders als früher sind zwischenzeitlich nicht mehr die Halbhöhenlagen auf dem Killesberg, die das Ranking der Toplagen traditionell anführen. Stattdessen liegen mittlerweile urbane Quartiere wie die Stuttgarter Innenstadt ganz oben in der Gunst der Käufer. Diese schätzen dabei insbesondere, dass sie in dieser Lage fast alles zu Fuß erledigen und damit jeden Stau und auch die lästige Parkplatzsuche umgehen können.

 

Der Markt für Luxus-Immobilien wächst kontinuierlich, was auch die Studien der großen Branchenunternehmen wie Engel & Völkers oder auch Dahler & Company zeigen. Die Unternehmensgruppe hat sich auf die Vermittlung hochwertiger Wohnimmobilien in bevorzugten Lagen spezialisiert und analysiert jedes Jahr die Umsatz- und Verkaufszahlen von Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser mit einem Kaufpreis ab 750 000 Euro an den sechs deutschen Top-Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und Stuttgart. Grundlage der Analyse sind die Zahlen der jeweiligen städtischen Gutachterausschüsse. Im ersten Halbjahr 2016 lag der Umsatz an den sechs Standorten demnach bei 1,66 Milliarden Euro im Premium-Segment, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine weitere Steigerung bedeutet. Das Fazit der Analysten: Der Premiumimmobilienmarkt ist weiter im Aufwind.

 

Die teuerste Wohnlage Deutschlands befindet sich weiterhin auf Sylt - mit Preisen von bis zu 35 000 Euro pro Quadratmeter in Kampen

 

Zum gleichen Ergebnis kommen auch die Experten von Engel & Völkers. Das Handeln mit Luxusimmobilien in den exklusiven Lagen Deutschlands sei durch kontinuierliches Wachstum und eine anhaltende Nachfrage geprägt, so Kai Enders, Vorstandsmitglied der Engel & Völkers AG. Welche Objekte in diese Kategorie fallen, hat das Immobilienunternehmen dabei klar definiert. Luxusimmobilien sind demnach äußert knapp und zeichnen sich zum einen durch Kriterien wie eine außergewöhnliche Lage, eine qualitativ hochwertige Ausstattung oder einen einzigartigen Blick aus. Zum anderen definiert sich dieses höchst exklusive Marktsegment durch die Höhe des Kaufpreises. Allerdings folgt das Unternehmen dabei nicht unbedingt der gängigen Definition, die das Premium-Segment ab einem Kaufpreis von 750 000 Euro abgrenzt, da die Kaufpreise für hochwertige Immobilien je nach Lage und Region stark schwanken können. So liegen die Einstiegspreise für Luxusimmobilien in Frankfurt bei 700 000 Euro, in München dagegen geht es erst bei 2,1 Millionen Euro los.

 

Allerdings zeichnet sich offenbar zunehmend ein Trend ab, demzufolge sich die Höchstwerte bundesweit kontinuierlich annähern. Denn während die Bestlagen in Berlin, auf Sylt oder am Starnberger See ihre Spitzenpreise aus den vergangenen Jahren bestätigt haben, konnten exklusive Immobilien auf Rügen, in Konstanz, Frankfurt oder Düsseldorf etwas aufholen. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse von Engel & Völkers zum Luxuswohnimmobilienmarkt in Deutschland. Die teuerste Wohnlage Deutschlands befindet sich demnach weiterhin auf Sylt. Auf der besonders begehrten Wattseite der Insel, in Kampen, erreichen Immobilien Preise von bis zu 35 000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und mehr. Die zweitteuerste Wohnlage Deutschlands liegt in der bayerischen Landeshauptstadt München. „The Seven Tower“ in der Müllerstraße im Glockenbachviertel ist mit 25 000 Euro je Quadratmeter gleichzeitig die teuerste Wohnlage in einer deutschen Großstadt.

 

Laut Postbankstudie gibt es dabei für einen großen Teil der Eigenheimbesitzer eine gute Nachricht: Denn in etwa der Hälfte der 402 deutschen Kreise und Städte können Haus- oder Wohnungsbesitzer bis zum Jahr 2030 davon ausgehen, die eigene Immobilie trotz der hohen Anschaffungskosten später mit Gewinn verkaufen zu können. In einem weiteren Viertel finden Immobilieneigentümer immerhin noch gute Bedingungen für eine stabile Wertentwicklung, so das Ergebnis der Studie. Allerdings sind die lukrativen Regionen ungleich über das Bundesgebiet verteilt. Während es in Bayern und Baden-Württemberg kaum einen Landkreis ohne eine positive Wertprognose gibt, ist es im Westen und Norden der Republik ungleich schwerer, ein Filetstück im Immobilienangebot zu finden. Im Vergleich der Städte mit den besten Zukunftschancen für Immobilien liegt derzeit Hamburg ganz vorne, dicht gefolgt von München und der Landeshauptstadt Stuttgart. Aber auch Oldenburg, Bonn, Ingolstadt, Heilbronn, Ludwigshafen und Regensburg zählen laut Prognose zu den zehn Städten mit dem größten Potenzial in den nächsten 15 Jahren.

 

© Autor: Markus Heffner

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