INTERNATIONALE HANDWERKSMESSE IHM - neue Entwicklungen,Technologien und Materialien

Foto: GHM
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Vom 08. bis 14. März wurde München zur Hauptstadt des Handwerks umfunktioniert: bei der internationalen Handwerksmesse IHM wurde dieses Jahr auf „Made in Germany. Das Original. Echt bei uns im Handwerk“ gesetzt. „Gerade für Betriebe mit neuen Produkten bietet die Messe eine hervorragende Plattform, vom Anwender ein direktes Feedback zu erhalten. Sie alle eint Innovationsgeist, Präzision, Leidenschaft für ihren Beruf und Qualitätsfertigung.

Damit stehen sie stellvertretend für unser diesjähriges Messemotto ‚Made in Germany‘“, sagt Dieter Dohr, Geschäftsführungsvorsitzender der GHM Gesellschaft für Handwerksmessen mbH. Die Internationale Handwerksmesse ist die wichtigste Leistungsschau des Handwerks in Deutschland. Da darf auch hoher Besuch nicht fehlen: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel besuchte die Messe und überzeugte sich vor Ort von den Entwicklungen in der Handwerksbranche. Die 1 036 Aussteller aus etwa 60 Gewerken boten einen umfassenden Überblick über Leistung, Qualität und Innovationskraft des Handwerks für Privathaushalte, Unternehmen und öffentliche Hand. Dieses Jahr dominierten die Vorstellung innovativer Neuheiten und die Werbung für den Nachwuchs des Handwerks mit Präsentationen über das umfangreiche Leistungsspektrums der unterschiedlichen Gewerke.

 

Auf Fachvorträgen, Info-Veranstaltungen und Workshops wurden einzelne Themen aufgegriffen, die in den letzten Jahren das Handwerk geprägt haben und in Zukunft beeinflussen und vor neue Herausforderungen stellen werden. Großes Thema war zum einen die Digitalisierung im Handwerk, der sich gleich zwei Veranstaltungen widmeten: die Regionalkonferenz der Förderinitiative Mittelstand 4.0 diskutierte und informierte unter dem Motto „Digitale Geschäftsmodelle – Made in Germany“ und die Fachtagung des Bayerischen Handwerkstages griff die Digitalisierung im Bau auf - „Baustelle 4.0 – Der Digitale Wandel im Bau- und Ausbauhandwerk“. Zum ersten Mal fand auch die Fachtagung des Bundesverbands der Unternehmerfrauen im Handwerk zum Thema „Frauen im Handwerk: Zukunft gestalten“ statt.

 

Qualitätsprodukte aus Deutschland werden weltweit angesehen und geschätzt: „Das Handwerk ist ein authentischer Botschafter für ‚Made in Germany‘ in der Welt“

 

Die Bandbreite der Branchen, Nischen und Neuheiten reicht in diesem Jahr zum Beispiel von einer weichen Badewanne (Raumausstatter-Betrieb: BlaaLonid) über stylische Fahrradtaschen (Täschner-Betrieb: Red Rebane) und schallabsorbierende Raumakustikelemente (Schreiner-Betrieb: Climapaneel) bis hin zu einem dreirädrigen Lasten-Transportrad, mit dem bis zu 250 Kilogramm bewegt werden können (Werkzeugmacher-Betrieb: Weber Technik). Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, zeigte sich mit dem Messeverlauf sehr zufrieden: „Das Handwerk hat die Internationale Handwerksmesse 2017 erfolgreich als Plattform für seine Botschaften genutzt.

 

Die Politik nimmt mit, dass das Handwerk ein authentischer Botschafter für ‚Made in Germany‘ in der Welt ist. Qualitativ exzellente Produkte und Dienstleistungen der Betriebe, ein höchst erfolgreiches Aus- und Weiterbildungssystem sowie starke Handwerksorganisationen garantieren die Ausnahmestellung des deutschen Handwerks.“

 

Am Gemeinschaftsstand zum Messe-Motto befanden sich sowohl Start-Ups, die mit frischen Ideen begeistern, als auch Unternehmen, die handwerkliche Fertigkeiten mit modernen Technologien verknüpfen, um die vielen Facetten des deutschen Handwerks darzustellen. Ein Aussteller war beispielsweise R&R Fahrzeugtechnik, die sonst für Auswärtsspiele des FC Bayern München die mobilen Fanshops und weitere Event-Fahrzeuge stellen und auf der Messe nun ein Elektro- Auto „Made in Germany“ zeigten, das mit dem Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der Technischen Universität München realisiert wurde. Vom Auto zur Badewanne: die Raumausstatter Peter Mechtold und Fred Schäff, ausgebildete Schreiner und Innenarchitekten, schickten die Messebesucher in ein Bad wie auf Wolken in ihrer neuartigen Badewanne aus weichem Material. In der Blaa Lonid - benannt nach Islands blauer Lagune - bleibt das Wasser länger warm und der Komfort verhindert größere Haushaltsunfälle. Ebenfalls Teil des „Made in Germany“-Stands war das Start-Up-Unternehmen „Stich by Stich“ aus Frankfurt am Main. Hier wird Integration am Arbeitsplatz praktiziert: Professionelle Schneiderinnen, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten, fertigen hier Auftragsarbeiten für Modelabels an. Dabei entsteht ein einzigartiger Prozess aus traditionellen Techniken und deutschem Standard.

 

Die technologische Komponente des „Made in Germany“- Stands wurde unter anderem von der Tischlerei Bücher Bergmann vertreten. Mit computergesteuerten Fräsen, 3D-Druckern und Lasercuttern kombiniert das Unternehmen handwerkliches und digitales Wissen auf revolutionierende Art. Kunden können sogar per Virtual-Reality-Brille ihre bestellten Produkte sehen, bevor sie real entstehen. Das Highlight auf der IHM stellte der Lasercutter dar, der Straßenkarten auf Holzpostkarten erstellte. Ein technologisches Start-Up mit Tradition stellt www.schrankwerk.de dar: der Onlineshop der bereits 1927 gegründeten Tischlerei Dickmänken bietet seinen Kunden an, mit Hilfe eines 3D-Konfigurators bequem zu Hause die Traummöbel am Computer zu erstellen und diese dann in Auftrag zu geben. Eine weitere interessante Online- Plattform haben die Tischler Danny Hammer und Siegfried Margrander ins Leben gerufen: hier können Handwerker ihre Produkte einstellen und überregional anbieten. Der Webshop Manopus achtet dabei besonders auf strenge Qualitätsrichtlinien.

 

Neuheiten und Highlights: in den Messehallen präsentierten alle Gewerke spannende Konstellationen - besonders die Nachwuchsförderung wurde auf der IHM groß geschrieben

 

Im Handwerk des 21. Jahrhunderts zählen nicht nur akkurate und hochwertige Verarbeitung, sondern auch stylische Designs zu den geschätzten Eigenschaften. Unter dem Titel „Wege zum Design - Ausbildung in Bayern“ stellten Fachschulen, Akademien und Hochschulen unterschiedliche Karrierewege für die Nachwuchshandwerker vor. Daneben zeigten Auszubildende und Lehrkräfte in Werkstätten spezielle Arbeitstechniken und -methoden und in Workshops luden einige Designer die Messebesucher auch zum Mitmachen ein.

 

Wer nicht selbst Hand anlegen wollte, konnte in zahlreichen Schauwerkstätten den Handwerkern über die Schultern schauen, die allgemein unter dem Titel „Materialwelten des Handwerks“ standen. Daher wurden hier neben der Be- und Verarbeitung klassischer Werkstoffe wie Holz, Leder, Metall, Keramik und Glas, auch neue Materialien und Techniken wie beispielsweise bioaktive Keramik und 3D-Druck vorgestellt. Nachhaltigkeit und ökologisches Bauen werden auch im Handwerk immer wichtiger: FOKUS.GESUND BAUEN bot Informationen rund um umweltverträgliche und schadstofffreie Materialien, gesundes Raumklima und Baubiologie. Renovierungen und Modernisierungen sollen zukünftig noch effektiver und grüner gestaltet werden können. Dazu standen Handwerker, Architekten und Innenarchitekten auch zu individuellen Beratungsgesprächen zur Verfügung, um die neuen Elemente und Bauweisen genauer zu erläutern und den Besuchern wertvolle Tipps für die eigenen Bauarbeiten zu geben. Wer bei der Handwerksmesse nur an Schreiner & Co. denkt, wurde in der Halle B3 von süßen und herzhaften Kreationen überrascht: Konditoren und Fleischer ließen sich beim Prozess der Herstellung zuschauen und stellten allerlei Köstlichkeiten her. Im Forum Lebensmittelhandwerk wurde über aktuelle Themen informiert.

 

Die für die Endrunde des Bundesleistungswettbewerbs „Die Gute Form – Gestaltung im Metallhandwerk“ qualifizierten Gesellenstücke wurden in der Halle B1 ausgestellt. Das Metallhandwerk möchte hier gezielt auch den Nachwuchs ansprechen und die Möglichkeiten und das Potenzial an die kommenden Generationen weitergeben. Platz 1 belegte Manuel Lufen aus Berlin aus dem Ausbildungsbetrieb Stefan Fittkau Metallbau und Kunstschmiede GmbH mit seinem eleganten und hochwertig verarbeiteten Wandregal. Platz 2 ging an eine innovative Schreibtischlampe, gestaltet und gebaut

von Dominik Unterrainer aus Hessen, und Platz 3 an Andreas Burkart aus Bayern, der eine mit viel Liebe zum Detail geschmiedete Fahne in den Wettbewerb eingereicht hatte.

 

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt der diesjährigen IHM Messe in München war der Einbruchschutz

 

Die eigenen vier Wände wurden in diesem Jahr unter verschiedenen Gesichtspunkten genauer beleuchtet und durch Kooperationen mit entsprechenden Ausstellern gefördert. Zum einen thematisierte die Messe die Sanierung und das Bauen unter ökologischen und biologischen Gesichtspunkten; zu diesem Themenblock gehört auch die richtige Dämmung und das korrekte Heizverhalten. Auf der IHM wurden neue Heiztrends, Heizmethoden der Zukunft und interessante Energiesparmöglichkeiten in den Fokus der Besucher gerückt. Außerdem wurden die Maßstäbe für eine gute Küche definiert und sofort in die Tat umgesetzt: von der klassischen Einbauküche über die maßgeschneiderte Schreiner-Küche bis zur stylischen Designerküche waren alle Facetten der Küche auf der Handwerksmesse vertreten.

 

Ein besonderes Augenmerk legten die Organisatoren auf das Thema „Einbruchschutz im Haus“ und welche baulichen Schutzmaßnahmen hier getroffen werden können. Besonders einbruchsichere Lösungen in Form von Türen und Fenstern wurden von den Ausstellern präsentiert. Passend zum Handwerk wurden zahlreiche Türspione, Querriegelschlösser, Fenster- und Kellertürenverriegelungen oder mit Bewegungsmeldern gekoppelte Beleuchtungen ausgestellt und demonstriert. Ein Ansatzpunkt bei älteren Wohnungen oder Häusern liegt bei den Türrahmen: diese müssen mechanisch stabil mit dem Mauerwerk verbunden sein, wobei verlängerte, mehrfach verankerte Schließbleche mit einer Materialstärke von drei Millimetern das Aufhebeln im Schlossbereich erschweren sollen. Empfehlenswert sind außerdem einbruchhemmende Schlösser und Schlösser mit Mehrfachverriegelung. Mit fachgerechter Montage durch Handwerker können eingebaute Sicherungen und Aufrüstungen das Einbruchsrisiko senken, zum Beispiel durch widerstandsfähige Türschlösser und stabile Fenster. Die Betriebe arbeiten Hand in Hand mit der Polizei und rüsten entsprechend der polizeilichen Empfehlungen auf. Die Kosten für ein Sicherheitsschloss für die Haustür belaufen sich auf etwa 300 Euro, Sicherungen für Fenster kosten mindestens 35 Euro pro Stück - eine Nachrüstung in Sachen Einbruchschutz ist kein billiges Unterfangen. Dafür gibt es jedoch einige staatliche Fördermöglichkeiten, mit denen Maßnahmen gegen Bonnie & Clyde und Co. leichter finanziert werden können, zum Beispiel das bundesweite Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder regionale Förder- und Zuschussmöglichkeiten.

 

Neben den handwerklichen Handgriffen wiesen die Aussteller auch auf weitere sinnvolle Lösungsansätze hin. Wem der mechanische Schutz nicht ausreicht, kann zusätzlich auf elektronische Unterstützung von Alarmanlagen bauen, um Menschen und Sachgegenstände zu sichern. Unter dem großen Schirm des Smart Home können weitere technische Einbruchschützer eingebaut werden - Bewegungsmelder, Überwachungskameras oder Fingerabdruckscanner an den Türen. Statistiken belegen, dass Einbruchschutz-Maßnahmen ihre Wirkung auch nicht verfehlen: Mittlerweile misslingen fast 43 Prozent der Einbrüche. Technische Sicherungseinrichtungen und eine aufmerksame Nachbarschaft spielen nach Einschätzung der Polizei hierbei ebenfalls eine entscheidende Rolle. Ob mit oder ohne Panzertür und Infrarotüberwachung, es gelten einige grundlegende Regeln, um Einbrüchen vorzubeugen: Türen abschließen, Fenster und Balkontüren schließen, Abwesenheit nicht für alle sichtbar anzeigen, Kellerschächte sichern und auch Gärten entsprechend vor unerwünschten Eindringlingen schützen.

 

© Autorin: Jessica Schmucker

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