Wenn der Schornsteinfeger kommt - Alte Heizkessel müssen ausgetauscht werden

Foto: Ingo Bartussek - fotolia.com
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So mancher Hauseigentümer hat in diesem Jahr schon Besuch vom Bezirksschornsteinfeger gehabt, anderen steht er noch bevor. Zur üblichen Kontrolle im Heizungskeller, ob beispielsweise die Abgaswerte noch im gesetzlich vorgegebenen Rahmen liegen, kommt seit diesem Jahr noch eine weitere Pflicht hinzu: Seit dem 1. Januar sind Schornsteinfeger gehalten, an allen Heizgeräten ein Effizienzlabel anzubringen, die älter als 15 Jahre sind. Das Label ist bereits Anfang 2016 von der Bundesregierung eingeführt worden, seither sind die Etiketten aber lediglich auf freiwilliger Basis ausgestellt worden. Nun gilt die Kennzeichnungspflicht grundsätzlich für alle Heizgeräte, die entsprechend lange ihren Dienst tun. 

Konkrete Verpflichtungen sind damit zunächst zwar nicht verbunden, das Effizienzlabel führt dem Eigentümer aber zumindest auf einen Blick vor, ob seine Anlage unnötig viel Energie und damit auch Geld verbraucht. Zur Darstellung der verschiedenen Kategorien wird die gleiche Farb- und Buchstabenskala genutzt, mit der auch Haushaltsgeräte gekennzeichnet werden: Die Klasse E (dunkelrot) steht für mangelhafte Energiewerte, die Klasse A++ (dunkelgrün) für bestmögliche Effizienz beim Heizen. „Stuft der Schornsteinfeger ein Heizgerät in die schlechteren Klassen ein, ist meist ein Austausch des Gerätes ratsam. Nur so lassen sich die Heizkosten langfristig eindämmen", betont Michael Herma, Geschäftsführer des Spitzenverbandes der Gebäudetechnik VdZ. Kessel der Klassen A und B seien dagegen bereits auf dem aktuellen Stand der Technik. Trotzdem könne eine Optimierung der gesamten Anlage den Energieverbrauch oft zusätzlich reduzieren, so Herma.

 

Der Bund fördert über verschiedene Programme effiziente Heizungen und die Nutzung erneuerbarer Energien

 

Erklärtes Ziel der neuen Kennzeichnungspflicht im Heizungskeller ist, Besitzern alter Anlagen aufzuzeigen, welches Sparpotential mit einer Sanierung verbunden ist. Um einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen, leistet der Staat auch konkrete finanzielle Hilfestellung: Mit seinem CO2-Gebäudesanierungsprogramm fördert der Bund einerseits den Einbau effizienter Heizungen, gleichzeitig wurde noch ein so genanntes Marktanreizprogramm (MAP) aufgelegt, mit dem die Nutzung erneuerbarer Energien unterstützt wird. Seit August 2016 bezuschusst der Staat außerdem den Austausch von Heizungspumpen und den hydraulischen Abgleich von Heizungsanlagen.

 

Der Handlungsbedarf ist dabei enorm: Etwa drei Viertel aller Heizungsanlagen in Deutschland verbrauchen Schätzungen zufolge zu viel Energie. Mit einer Modernisierung können bis zu 20 Prozent Energie eingespart werden, womit nicht nur die jährlichen Heizkosten deutlich reduziert werden, sondern auch die Belastungen der Umwelt mit klimaschädlichem CO2. Laut Bundeswirtschaftsministerium sind in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus nach Einbau eines modernen Kessels immerhin Einsparungen von bis zu 400 Euro im Jahr möglich.

 

Besonders betroffen vom Modernisierungsstau im Heizungskeller ist laut einer Studie des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) das Land Baden-Württemberg, das im Vergleich zum Bundesdurchschnitt deutlich zurückgefallen ist. Demnach ist hier der Heizungsmarkt im vergangenen Jahr um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft, womit er sich deutlich schlechter als der Bundesdurchschnitt entwickelt hat.

 

Baden-Württemberg ist bei der Heizungsmodernisierung deutlich zurückgefallen

 

Einen wesentlichen Grund hierfür sieht der Bundesverband in der Verschärfung der Nutzungspflichten für erneuerbare Energien bei Heizungsmodernisierungen, die im Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG) des Landes Baden- Württemberg verankert sind. „Nutzungspflichten qua Ordnungsrecht im Falle von Bestandssanierungen wirken kontraproduktiv und zementieren den seit Jahren anhaltenden Modernisierungsstau“, betont BDH-Präsident Manfred Greis. Baden-Württemberg sei bei der Heizungsmodernisierung vom bundesweiten Spitzenreiter zum Schlusslicht abgerutscht und lasse damit immense Effizienz- und CO2-Minderungspotenziale ungenutzt. „Anstelle von Geboten und Verboten brauchen wir attraktive Anreize, um den veralteten Anlagenbestand auf Vordermann zu bringen", so Greis, dessen Verband schon seit dem Jahr 2008 so genannte Multimomentaufnahmen durchführt und dafür den Absatz von zentralen Wärmeerzeugern wie Gas-, Öl-, Holzheizkessel und Wärmepumpen sowie thermischen Solaranlagen analysiert.

 

Energiesparverordnung (EnEV) beschränkt die Laufzeit der meisten Heizkessel auf 30 Jahre

 

Mit Erhebungen dieser Art, die Erkenntnisse über den Zustand der Heizungskeller im Land bringen sollen, beschäftigt sich regelmäßig auch das Umweltministerium Baden-Württemberg. Das Ergebnis ist wenig zufriedenstellend. „In deutschen Kellern stehen viele veraltete Heizkessel“, sagt Petra Hegen vom Informationsprogramm Zukunft Altbau, das vom Umweltministerium gefördert wird. Von den bundesweit rund 21 Millionen Heizungsanlagen seien über 20 Prozent vor dem Jahr 1990 eingebaut worden. Rund drei Millionen dieser Anlagen seien demzufolge bereits älter als 27 Jahre, so die Architektin und Energieberaterin.

 

Die Besitzer dieser Anlagen haben noch ein wenig Zeit, für viele andere Eigentümer steht in diesem Jahr indessen ein größeres Projekt an. Denn die Energieeinsparverordnung (EnEV) des Landes schreibt vor, dass nach 30 Jahren Betrieb für die allermeisten Heizkessel Schluss ist. Hauseigentümer mit einer vor 1987 eingebauten Heizungsanlage müssen den Kessel daher in vielen Fällen in diesem Jahr erneuern lassen. „Für mehr als eine Million alte Öl- und Gasheizungen gilt in diesem Jahr die Austauschpflicht“, schätzt Petra Hegen.

 

Das Typenschild auf dem Heizkessel gibt Auskunft über den Hersteller, das Baujahr und die Leistung

 

Wer nicht weiß, wie alt sein Kessel ist, sollte zuerst auf dem Typenschild nachschauen. Es ist direkt auf dem Heizungskessel montiert. „Das Typenschild gibt Angaben unter anderem über den Hersteller, das Baujahr und die Leistung“, sagt Jürgen Groß vom Deutschen Energieberaternetzwerk (DEN). „Das Baujahr des Wärmeerzeugers ist entscheidend für die Bewertung, ob die Heizung erneuert werden muss.“ Da der Kessel oft gedämmt ist, ist das Typenschild jedoch nicht immer leicht zu finden. Unter der meist seitlichen Abdeckung befinden sich die entsprechenden Informationen auf einem Metallschild. Eine weitere Möglichkeit ist, auf das Protokoll des Schornsteinfegers zu schauen. Hier sind die Angaben meist ebenfalls vermerkt. Wer Unterlagen aus der Bauzeit hat, kann auch dort nachsehen. Alternativ kann man einen Termin mit seinem Schornsteinfeger oder einem Fachbetrieb für Heiztechnik aus der Region vereinbaren. „Möglich ist auch, im Rahmen der Kontrolle durch den Schornsteinfeger oder der Heizungswartung klären zu lassen, ob man von der Austauschpflicht betroffen ist“, sagt Groß.

 

Niedertemperatur- und Brennwertkessel dürfen auch nach 30 Jahren weiter betrieben werden

 

Denn nicht alle der alten Heizungsanlagen, die drei Jahrzehnte auf dem Buckel haben, müssen tatsächlich raus aus dem Haus. Nur Konstanttemperaturkessel mit einer Nennleistung von vier bis 400 Kilowatt fallen unter die Austauschpflicht. „Niedertemperatur- und Brennwertkessel dürfen weiter betrieben werden“, erklärt Petra Hegen. Allerdings sei diese Technologie vor dem Jahr 1987 noch recht neu gewesen, daher werde es hier nicht so viele Anlagen geben. Etwas größer wird der Kreis derer sein, die ihren alten Heizkessel weiter betreiben dürfen, weil sie schon länger in ihrem Ein- oder Zweifamilienhaus wohnen. Wohngebäude mit weniger als drei Wohnungen, von denen der Eigentümer zumindest eine Wohnung zum Stichtag 1. Februar 2002 selbst genutzt hat, fallen ebenfalls unter die Ausnahme. Bei einem Eigentümerwechsel nach dem 1. Februar 2002 beträgt die Austauschfrist für den neuen Eigentümer zwei Jahre. Bis dahin sollte die Anlage modernisiert sein. Denn der Schornsteinfeger kommt bestimmt.

 

© Autor: Markus Heffner

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