IMM Cologne und Living Kitchen 2017: Trends der Interior-Design-Messe

Foto: 2mmedia - fotolia.com
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Vom 16. bis 22. Januar 2017 wurden in Köln im Rahmen der imm Cologne, der internationalen Einrichtungsmesse, und der parallel stattfindenden LivingKitchen die neusten Trends in den Bereichen Wohnen und Küchen präsentiert. Sieben Tage lang zeigten rund 200 Aussteller aus 21 Ländern wieviel Innovationskraft, Designanspruch und Qualität in der Branche stecken. Und das kommt an: mit einem Besucherrekord von mehr als 150.000 begeisterten Messebesuchern steht einem erfolgreichen Jahr im Interior-Design nichts mehr im Wege. 

„Die Qualität der Aussteller war hoch, sehr viele Neuheiten wurden gezeigt und die Besucher konnten ansprechende Produktpräsentationen erleben. Deshalb sieht auch der Handel in der Messe einen großartigen Auftakt in das Möbeljahr 2017“, resümiert Hans Strothoff, Präsident des BVDM - Handelsverband Möbel und Küchen, den Auftakt von imm cologne und LivingKitchen.

 

Farben, Materialien, Formen und Kombinationsmöglichkeiten - auf den nächsten Seiten erfahren Sie das Wichtigste zu den Trendthemen der Einrichtungsbranche.

 

WOHNEN: GEGENSÄTZE ZIEHEN SICH AN

 

In den neuen Wohnwelten werden dieses Jahr Möbel mit Geschichte, natürliche Materialien und kleine, gut designte Produkte in den Fokus gerückt. Außerdem werden die Kombinationsmöglichkeiten um einige kontrastreiche Kompositionen erweitert: nicht nur bei den Farben, sondern auch bei der Wahl der Möblierung werden immer häufiger unterschiedliche Richtungen eingeschlagen. Das eigene Zuhause als Ort der Gegensätze: Rückzugsort und sozialer Tanzboden, Entspannung vom Alltag und Arbeiten von Daheim. Die Dänen machen es sich besonders gemütlich und prägen den vom Zukunftsreport 2017 gekürten sogenannten Lifestyle „Hygge“ (gesprochen „Hügga“). Der Kern dieser Philosophie ist es, sich auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren und die Zeit mit Familie und Freunden genießen. Hygge gilt als eine Art geheimnisvolle Daseinsform des handfesten Glücks, indem man das Echte, das Wahre und Gute und Schöne wahrnimmt - das Licht richtig dimmen und die Außenwelt dämpfen - lautet die Devise.

 

Über die Bedeutung des Lichts für das Wohlbefinden gerade in der dunklen Jahreszeit weiß wohl ebenfalls niemand besser Bescheid, als die Bewohner des hohen Nordens. Beleuchtung allgemein dominierte die diesjährige Möbelmesse in Köln. Gerade skandinavische Konsumenten und Hersteller haben ein besonderes Feeling für gut gestaltete Lichtquellen entwickelt und zahlreiche Aussteller überzeugten mit modernen LED und OLED Installationen. Ob industrieller Charme oder elegante Natürlichkeit: Leuchten-Design in vielen verschiedenen Ausführungen bietet Liebhabern von ansprechenden Interieurs eine umfassende Auswahl. Passend zum skandinavischen Hygge-Flair sind Mid-Century-Style Möbel, inspiriert durch die dänische Moderne, eine tolle, zeitlose Kombination. Dunkle, edle Hölzer und Leder in modernen, schlichten Formen, aber auch schon erste Kunststoff-Möbel in poppigen Farben sind seine Protagonisten. Neben den Möbelstücken selbst spielt das Thema Dekoration eine immer größere Rolle bei Möbelmessen und im Interior-Design. Vom Kerzenhalter bis zum Kissen reflektieren diese kleinen Dinge Stil und Persönlichkeit ihrer Besitzer und machen aus einer Wohnung ein Zuhause. Auch wer über die imm cologne schlenderte fand

Schale oder einen Kerzenleuchter auf dem Couchtisch, Bücherberge, die im Regal klemmen, oder einen Holz-Affen für den Garderobenspiegel: Wohnlichkeit liegt eben schwer im Trend.

 

Farblich zeichnen sich diese Saison unterschiedliche und gegensätzliche Linien ab. Insgesamt dominieren vier Farbräume die Wohnwelten: Neben den klassisichen Grau- und Weißtönen, die weiterhin sehr populär in der Farbwelt sind und die Grundfarben bei vielen Möbelstücken und ganzen Kollektionen bilden, werden Akzente mit Blau, Pastellfarben oder dynamischem Rot gesetzt. Im dekorativen Bereich liegen alle möglichen Grün-Schattierungen voll im Trend: Von zartem Mintgrün über kräftiges Grasgrün und edles Tannengrün bis hin zu Nuancen in Taupe und Petrol mischen Grüntöne im Wohnbereich kräftig mit.

 

Teppiche hatten es lange Zeit schwer in modernen Haushalten, deren trendbewusste Bewohner eher auf Holzböden und andere textilfreie Materialien setzten, wenn es um die Wahl des richtigen Bodenbelags ging. Doch die Zeiten des Minimalismus und der damit einhergehenden häuslichen Textilknappheit sind vorbei: viele Aussteller zeigten eine breite Produktpalette neuer Qualitäten und Designs für jede Wohn- und Lebenslage.

 

NEUHEITEN - EINRICHTUNGSTRENDS VON ALTBEWÄHRTEN AKTEUREN UND NEUEN DESIGNERN

 

Birkenstock widmet sich nun nicht nur dem Fußbett, sondern auch ganzen Wohlfühl-Schlafsystemen. Ähnlich wie bei den Schuhen des traditionsreichen Familienunternehmens wird nun die Wirbelsäule mit größtmöglichem Liege- und Schlafkomfort versorgt, um das gesundheitsfördernde Wohlbefinden von der Zehenspitze auf den ganzen Körper auszudehnen. Die Produkte der Schlafserie sind das Ergebnis einer Partnerschaft mit dem Betten- und Matratzenhersteller ADA. (www.birkenstock.com).

  

Nicht nur gemütlich, auch multifunktionell sollten moderne Möbelstücke sein - und dabei auch noch elegant aussehen. Das neue Funktionssofa AGIO von dem Möbelunternehmen Rolf Benz aus Nagold ist an die alltäglichen Veränderungen und Herausforderungen angepasst. Die Seitenteile lassen sich nach oben klappen, damit man in jeder Sitzposition eine Rückenlehne hat. Ganz nach außen geklappt wird die Liegefläche vergrößert und aus dem Sofa wird im Handumdrehen eine Schlafmöglichkeit. Auch Beine hochlegen, individuelle Relax-Positionen und besonderer Komfort durch spezielle Kissen sind kein Problem. Mobile Beistell- und Couchtische runden das Ensemble ab und gestalten ein komfortables und stylisches Wohnzimmer. (www.rolf-benz.com).

 

Nicht nur im Wohnzimmer auf der Couch soll es sich entspannt und gleichzeitig schön sitzen lassen, auch in Esszimmern suchen Familien oder Teams einen gemütlichen Sitzplatz, der nicht plüschig wirkt und zu zeitgenössischen Architekturen passt. Die Eckbank von COR mit separaten Sitzkissen und gepolsterten Rückenlehnen versucht genau das zu kombinieren. Eine filigrane Unterkonstruktion aus verchromtem Stahl, oder alternativ in RAL-Farben lackiert, sorgt für ein futuristisches und modernes Design (Jehs+Laub). Revolution Sitzbank: das Möbelstück lädt zum Verweilen ein und bringt platzsparend viele Menschen auf wenig Raum unter (www.cor.de).

 

KÜCHE: DIE SEELE DER WOHNUNG GUT INTEGRIERT

 

Mit der LivingKitchen wurde hier die Küche in den Fokus gerückt und als vielseitiges und modernes Herzstück der Wohnlandschaft präsentiert. Offene Küchen werden immer beliebter,: hier sollen Küchen- und Esszone verschmelzen und direkt ans offene Wohnzimmer angliedern, damit eine großzügige Wohnatmosphäre entstehen kann.

Ein neuer Trend ist daher auch die Kombination von Küchenmöbeln mit Wohnmöbeln und umgekehrt - Küchen werden noch wohnlicher und integrieren sich noch fließender und dynamischer in die restliche Wohnfläche. Dabei steigt sowohl die Nachfrage nach der großflächigen Funktionsküche im Neubau, wie auch nach der kleinen, jedoch voll funktionsfähigen Küche im Altbau, die der anhaltenden Landflucht geschuldet ist. Auf der LivingKitchen findet man vielfältige Angebote: modern und puristisch anmutende Küchen stehen neben solchen, die man sich perfekt in einem alten Landhaus vorstellen kann. Daher wird heute fast immer eine freistehende Theke bevorzugt, die von allen Seiten aus frei zugänglich ist. Diese ist oft höhenverstellbar und kann so auch als Stehtisch benutzt werden. Häufig sind an einer Wand die Hochschränke gruppiert, was Dank der immer weiter optimierten Stauraumtechnik auch meist genügt.

 

Schwarz, Weiss, Grau - schlichte Farben oder Holzoptik bleiben weiterhin beliebt; Lack und Keramik bestimmen die Oberflächen.

 

Bei den aktuellen Angeboten in der Küchenwelt überwiegt als Frontenoptik Lack. Sowohl Mattlack als auch Lack-Laminat sind angesagt, wohingegen Hochglanzlack auf dem Rückzug ist. Auch Holz oder Holzoptik können ihre Stellung behaupten und erfreuen sich immer größerer Beliebtheit im Küchensortiment. Bei den Farben der Lacke bleiben die Klassiker Weiß und Grau. Schwarz kommt großflächig und großzügig sowohl bei Elektrogeräten, wie Backofen und Herd, bei Beschlagslösungen für das Innenleben, Keramikspülen wie auch als ganze Front für Schränke und Kühlschränke zum Einsatz. Als Material dienen hier sowohl bedrucktes Glas, Lack und Laminat als auch Schiefer. Massivholz-Küchen bleiben weiterhin Einzelstücke für eine gesundheitsbewusste und naturverbundene Zielgruppe. Diese Käuferschicht setzt im Einklang mit der Natur auf komplette Massivholz-Konstruktionen, zu der auch die Immobilie als solche passen sollte. Geht man weiter zu den Details der Küche über, überzeugen Keramik und Keramik-Anmutungen durch Robustheit und Langlebigkeit und bleiben damit ein großer Trend bei Arbeitsplatten und Spülen.

 

Die intelligente Küche macht dank technischer Ausrüstung und Apps aus Laienköchen Profis

 

Technische Geräte werden immer bedienungsfreundlicher und der Alltag wird zunehmend von ihnen durchdrungen. Clevere Lösungen gibt es für alle Lebensbereiche, aber vor allem für die moderne Küche. Diese technischen Innovationen machen sich auch bei den Küchengeräten bemerkbar: intuitive Bedienknöpfe für Herd und Ofen vereinfachen deren Handhabung. Außerdem besitzen moderne Backöfen in der Regel die sogenannte Pyrolysefunktion, mit deren Hilfe eine Selbstreinigung durch hohe Temperaturen durchgeführt wird. Dieses Feature soll in Zukunft der Standard eines jeden Backofens werden. Weiterhin im Trend liegen zudem Backöfen mit integrierter Mikrowelle oder integriertem Dampfgarer, die für ein abwechslungsreiches Kocherlebnis sorgen. Und wer gerade keine Rezeptidee parat hat, nutzt einfach die praktische „Backofen-App“: damit kann nicht nur der Garvorgang kontrolliert werden, wobei mitgeteilt wird, wann Braten, Kuchen oder Grillhähnchen fertig sind, sondern die App liefert auch Tipps und Ideen für Rezepte. So kann auch dem Laienkoch eine auf den Punkt gegarte Speise kinderleicht gelingen.

 

Neu hinzu kommt ebenfalls eingebautes LED-Licht im Backofen oder in der Abzugshaube, welches ein atmosphärisches und wohnliches Licht in der Küche kreiert. Neben den Lichteffekten soll es zukünftig auch etwas auf die Ohren geben: ausgeklügelte Soundsysteme sollen integriert werden und aus jeder Küche einen Konzertsaal werden lassen. Auch das Thema Energiesparen hat sich inzwischen am Markt durchgesetzt. Sparsame und langlebige LED-Lichter, reduzierter und gut abgestimmter Wasser- und Stromverbrauch lassen moderne Küchen nämlich zu echten Sparfüchsen werden.

 

MESSEGESPRÄCH

 

Die smartLiving-Redaktion sprach mit Andreas R. Neef, Geschäftsführer Deutschland des Schweizer Möbelunternehmens Xilobis, welches auf der imm cologne 2017 ausgestellt hat, über die Vielfalt und Flexibilität eines Regalsystems, welches ganz ohne Schrauben oder andere Beschläge auskommt und daher ohne Werkzeug einfach auf-, ab- und umgebaut werden kann. Es ist stabil, strapazierfähig und flexibel. Mit der dynamischen Verbindung durch Kugeln lassen sich aus präzise verarbeiteten Modulen individuelle Möbel formen.

 

smartLiving: Was steckt hinter der Philosophie des Schweizer Unternehmens, worauf legen Sie Wert bei der Herstellung und der Entwicklung von Xilobis?

 

A.N.: Die Idee war, ein modulares System zu bauen, das modular bleibt. Man kann nicht nur beim Bestellen bestimmen, was man wie und wo haben möchte, sondern man kann das Möbel auch danach jederzeit ohne Werkzeug ganz nach den eigenen Bedürfnissen weiter entwickeln, ausbauen und verändern. Dafür wird in der Herstellung viel Wert auf die präzise und nachhaltige Verarbeitung von Rohstoffen gelegt. Nur so ist sichergestellt, dass ein Möbel auch nach mehreren Umbauten seine Qualität behält und nichts von seiner Präzision und Klasse einbüsst.

 

smartLiving: Sie vergleichen das System mit einem Schachspiel: wie viel Know-how braucht man tatsächlich, um das System selbst aufzubauen?

 

A.N.: Kompliziert war die Entwicklung von xilobis und die hohen Produktionsanforderungen, um die gewünschte Präzision sicherzustellen. Doch das Resultat – das modulare Möbelsystem von xilobis – ist bestechend einfach aufzubauen. Rund 75 % unserer Kunden bevorzugen aber die Lieferung und Montage bei der ersten Bestellung. Bei späteren Ausbauten, Ergänzungen und Umstellungen wird die Flexibilität dann rege genutzt. Der Vergleich mit dem Schachspiel bezieht sich demzufolge nicht auf die Komplexität der Spielregeln, sondern die schier unendliche Anzahl von Varianten, welche mit wenigen Elementen (Figuren) möglich sind. In den letzten Jahren wurden über 2500 Möbelkombinationen verkauft und kaum zwei sehen gleich aus – auch wir sind immer wieder von der Vielfältigkeit überrascht.

 

smartLiving: Was würden Sie als die herausragenden Merkmale von Xilobis bezeichnen - was unterscheidet Sie von anderen Möbelsystemen?

 

A.N.: Damit die gestalterische Vielfältigkeit und Freiheit in der Planung optimal genutzt werden kann, wurde ein eigener Online-Konfigurator programmiert, der allen Besuchern der xilobis-Webseite kostenlos zur Verfügung steht. Dort können individuelle Möbel geplant, gespeichert und später beliebig ergänzt oder verändert werden. Viele Systeme, die durchaus flexible, individuelle Zusammenstellungen erlauben, werden danach entsprechend zusammengebaut und so fixiert – verschraubt, verklebt oder sonst wie verbunden –, dass sie danach nicht mehr oder nur mit erheblichem Aufwand wieder abgebaut werden können. Unser modulares System dagegen bietet höchstmögliche Flexibilität, d.h. es kann jederzeit verändert werden und passt sich so jederzeit den individuellen Bedürfnissen an – das macht es so einzigartig - sowohl im privaten als auch im Office Bereich.

 

smartLiving: Auf der imm cologne haben Sie nun nach 2015 zum zweiten Mal Ihr Möbelsystem präsentiert - was hat sich in diesen zwei Jahren verändert, haben Sie eine Veränderung bei den Wünschen und Vorlieben der Kunden festgestellt?

 

A.N.: Wir waren 2015 auf der imm in Köln und sind seither mit einer permanenten Ausstellung in der Design Post in Köln. Die Ehre in diesem „erlauchten“ Designtempel aufgenommen zu werden, hat die Wertigkeit und Einzigartigkeit von xilobis unterstrichen und sicherlich auch den reddot design- award 2015 „winner furniture design“ bestätigt.

 

Unser zeitloses Design, unsere Flexibilität und der präzise verarbeitete Rohstoff Holz entspricht dem heutigen Zeitgeist. Stadtnomaden schätzen Möbel, die so flexibel sind wie sie selbst. Wer schon einige Umzüge durchgestanden hat oder öfter mal sein Wohnheim umstellt, weiß, wie unverzichtbar Möbel sind, die sich neuen Lebensumständen leicht und elegant anpassen.

 

Das modulare System von xilobis kann beliebig umgebaut, erweitert und einfach transportiert werden. Mit der Kombination von Schiebetüren aus verschiedenen Materialen und Farben passt sich das Möbel jeder räumlichen und visuellen Herausforderung an. Werkzeuge sind unnötig, da die Möbel ohne Schrauben und Beschläge auskommen. Die einzelnen Module werden durch ein ausgeklügeltes System aus speziell angefertigten Garnen und Kugeln zusammengehalten.

 

© Autorin: Jessica Schmucker

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