Innovation Hausnotruf - Für mehr Sicherheit und Lebensqualität in den eigenen vier Wänden

Foto: Sir_Oliver - fotolia.com
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Im September vergangenen Jahres fand in Berlin der erste Bundeskongress der Initiative Hausnotruf zum Thema „Demographischer Wandel und technologische Entwicklungen: heute und in Zukunft“ statt. Die Initiative Hausnotruf versucht seit einigen Jahren konkret für mehr Sicherheit im Alter zu sorgen, um älteren Menschen zu ermöglichen, möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld sicher zu leben. Besonders das Thema Selbstbestimmtheit im Alter, aber auch die wachsende Bereitschaft technische Hilfsmittel in Erwägung zu ziehen, wurden bei dem Kongress thematisiert. 

Schirmherr Franz Münterfering bekräftigt, dass die Menschen wissen müssten, dass es „den einen Knopf gibt und wenn etwas passiert, ist schnell jemand da, der hilft“, damit gewährleistet sein kann, dass man auch im hohen Alter oder im Pflegefall weiterhin in seinem gewohnten Umfeld leben kann. Vorsicht ist besser als Nachsicht - die Digitalisierung der Pflege kann hierbei enorm zur Erhöhung der Lebensqualität und einem selbstständigen Alltag im Eigenheim beitragen.

 

Stephanie Schmidt arbeitet für den Arbeiter-Samariter- Bund (ASB) in Stuttgart und Schwäbisch Hall und kennt die Stärken und ausbaufähigen Stellen des Hausnotrufsystems. Sie sitzt außerdem in der Notrufzentrale und nimmt Gespräche an, leitet sie an Rettungsdienst und Angehörige weiter. "Viele ältere Menschen denken anfangs, dass sie so etwas wie den Hausnotruf nicht brauchen, aber die meisten, die ihn erst einmal eingerichtet haben, wollen nie wieder ohne leben." Der ASB Baden-Württemberg, der heute schon 6.000 Kunden betreut, wird in Zukunft weiter ausgebaut. Was genau aber beinhaltet eigentlich ein Hausnotruf, wer bietet ihn an und welche Kosten sind damit verbunden?

 

Das Hausnotrufsystem soll Senioren und alleinlebenden Menschen, aber auch deren Angehörigen, schnelle Hilfe in Notfällen garantieren

 

Trotz verschiedener, zahlreicher Anbieter funktioniert das Prinzip des Hausnotrufs immer gleich. Ältere, pflegebedürftige Menschen, ob alleinlebend oder nicht, tragen rund um die Uhr einen kleinen, wasserdichten Sender bei sich. Diesen Funkknopf kann man entweder an einem Band um den Hals als eine Art Kette tragen, oder als Armband oder Brosche. Bei Notfällen wie zum Beispiel einem Sturz drückt man den Knopf des Handsenders, der sich sofort automatisch mit der Notrufzentrale verbindet, welche 24 Stunden zur Verfügung steht. Dabei gibt der Funksender ein Signal an die Basisstation, die sofort die eingespeicherte Nummer wählt. Über eine Gegensprechanlage nehmen die Mitarbeiter der Notrufzentrale Kontakt mit dem Betroffenen auf, informieren hinterlegte Kontaktpersonen und den Rettungsdienst. Außerdem liegen die wichtigsten Daten zur Krankheitsgeschichte oder Medikamenteneinnahme vor, die ebenfalls vorab an den Rettungsdienst weitergeleitet werden können. Auch wenn keine Reaktion der Person, die den Notruf ausgesendet hat, erhalten wird, zum Beispiel weil es sich um einen Schlaganfall handelt oder Bewusstlosigkeit eingetreten ist, alarmiert die Notrufzentrale den Rettungsdienst.

 

Die Mikrofone und Lautsprecher der Basisstation sind so konzipiert, dass sowohl das Senden des Signals, als auch die Gegensprechanlage, über größere Distanzen innerhalb einer Wohnung einwandfrei funktionieren - in der Regel haben die Geräte eine Reichweite von 30 bis 50 Metern. Das Basisgerät ist im Normalfall mit dem Telefonanschluss verbunden, kann aber auch über Internetanschluss oder Mobiltelefon laufen, und benötigt außer herkömmlicher Stromversorgung keine weiteren Installationshilfen. Wenn die Station eingerichtet wird, übergibt man der Notrufzentrale alle relevanten Informationen, Telefonnummern und Adressen, die im Notfall informiert werden sollen. Stephanie Schmidt vom ASB kann eine überaus positive Resonanz der Technik ziehen: "Die Geräte laufen ausnahmslos stabil und ohne jegliche Fehler oder Ausfälle."

 

Die Einrichtung dieses Systems eignet sich besonders für Menschen, die alleine leben und sich für Unfallsituationen oder unvorhersehbare Gesundheitsprobleme absichern möchten. Die unkomplizierte Abwicklung mit der Notrufzentrale rund um die Uhr und den hinterlegten Informationen und Kontaktdaten, soll älteren Menschen mehr Lebensqualität und Sicherheit in den eigenen vier Wänden geben. Im Gegenzug sind auch Angehörige und Verwandte entlastet, wenn der Hausnotruf als Absicherung vor allem auch nachts genutzt werden kann.

 

„Zusatzleistungen und umfangreiche Pakete werden zwar von vielen angeboten, passen jedoch oft nicht mit geringer Rente oder Sozialleistungen zusammen - da ist das Basispaket bei vielen völlig ausreichend“

 

Das System der Hausnotrufe wird von gemeinnützigen Verbänden und privaten Dienstleistern angeboten. Zu beachten sind vor allem versteckte Kosten wie Installationsgebühren, die Haftungs- und Kündigungsbedingungen und die Vertragslaufzeiten. Empfohlen werden Verträge ohne Mindestlaufzeit und mit einer maximalen Kündigungsfrist von zwei Monaten, um sich den individuellen Entwicklungen der Pflegedürftigen anpassen zu können. Ziel der Hausnotrufe ist es, das eigenständige Leben in Sicherheit für ältere Menschen zu gewährleisten. Sollten sich die Gegebenheiten verändern oder mehr Leistungen benötigt werden, sind flexible und unkomplizierte Anpassungen und Kündigungen von großer Bedeutung. Im Idealfall arbeiten die Anbieter der Hausnotrufe mit den lokalen Sozialstationen zusammen. Allgemein gilt, dass es stark abweichende regionale Unterschiede gibt, was die Kosten und buchbaren Leistungen angeht.

 

Die Wohlfahrtsverbände setzen häufig auf persönliche Beratung und die Installation durch einen Fachmann vor Ort, wohingegen Privatanbieter auf telefonische Beratung und Selbstinstallation bauen. Die Inbetriebnahme und das Anschließen sind allerdings bei allen Anbietern relativ einfach und gut verständlich; es werden im Normalfall keine weiteren Geräte oder Vorrichtungen benötigt. Was die vorherige Vertragseinsicht betrifft, bieten private Anbieter dies wesentlich häufiger an als die Wohlfahrtsverbände. Fast alle Anbieter haben ein Basispaket, das zwischen 14 und 30 Euro liegt, zusätzlich der einmaligen Anschlussgebühr, die stark variierend zwischen 10 und 78 Euro kostet. "Zusatzleistungen und umfangreiche Pakete werden zwar von vielen angeboten, passen jedoch oft nicht mit geringer Rente oder Sozialleistungen zusammen - da ist das Basispaket bei vielen völlig ausreichend", sagt Stephanie Schmidt.

 

Die Anbieter im Detail: welche Zusatzleistungen geboten werden und welche Kosten mit dem jeweiligen Paket verbunden sind

 

Um herauszufinden, welcher der passende Vertrag für die persönlichen Bedürfnisse ist, kann man zum Beispiel auf die Ende 2011 erhobenen Tests von Stiftung Warentest zurückgreifen. Zwölf Anbieter wurden hier auf ihre Leistungen und Konditionen geprüft, wobei drei mit der Note "Gut" abschnitten: der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter und das Deutsche Rote Kreuz. Allgemein fiel das Ergebnis eher ernüchternd aus: viele Anbieter gehen nicht so intensiv wie gewünscht auf die Bedürfnisse älterer Kunden ein, zum Beispiel wenn es um die Erklärung der technischen Details und der Funktionsweise geht, oder auf beruhigende Ansprachen und Nachfragen bei Auslösen des Alarms. Außerdem mangelte es häufig an der Überprüfung der Sprechverbindung bei der Inbetriebnahme und der Durchführung eines Probealarms.

 

Der Hausnotruf kann bei nahezu allen Anbietern über einen normalen Telefonanschluss oder über Mobilfunk in jeder Wohnung angeschlossen werden. Immer mehr Kunden greifen auf die Geräte mit SIM-Karte zurück: "Das liegt daran, dass sich für Menschen, die zum Beispiel in Betreutem Wohnen leben, das festnetzlose Basispaket mehr rentiert, als sich selbst einen Festnetzanschluss zuzulegen und zusätzlich dazu noch den Hausnotruf zahlen zu müssen", erklärt Stephanie Schmidt die Entwicklung, die sie verstärkt in Schwäbisch Hall, langsam aber auch in Stuttgart beobachtet. Optional können bei den Anbietern oft auch Rauchmelder und deren Wartung dazu gebucht werden, so zum Beispiel bei den Johannitern. Diese bieten außerdem ein Schnupperpaket für 3 Monate an, die Kosten hierbei belaufen sich auf 99 Euro.

 

Die Grundleistungen des Hausnotrufs, die als offiziell anerkanntes Hilfsmittel gelten, werden bei anerkannter Pflegestufe und -bedürftigkeit von den Pflegekassen übernommen. Die Basispakete für den Preis von 18,36 Euro werden meistens komplett übernommen, für die Anschlussgebühren ist der Zuschuss auf eine Pauschale von 10,49 Euro festgelegt. Allerdings übernehmen die Pflegekassen nur dann die Kosten, wenn der Pflegebedürftige den Großteil des Tages alleine verbringt und jederzeit eine Notsituation auftreten kann. Erfahrungsgemäß beantragen Angehörige den Hausnotruf und initiieren, dass alleinlebende oder pflegebedürftige Menschen sich auf digitalisierte Pflegeleistungen einlassen. Der Schritt in die neue Technik rentiert sich allemal und bietet mehr Sicherheit und schnelle Hilfeleistung für immer mehr Menschen. Für die Zukunft wünscht sich Stephanie Schmidt vor allem mehr Aufklärung und Informationsverbreitung: "Für 2017 habe ich mir vorgenommen, mehr Informationsabende und -veranstaltungen zu organisieren, um den Älteren einfach die Angst vor der Technik zu nehmen und viele überhaupt auf das Thema Hausnotruf aufmerksam zu machen."

 

Autorin: Jessica Schmucker

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