Zeit für Realismus - ein ökonomischer Ausblick

Gastbeitrag von Matthias Weik und Marc Friedrich, Foto: Christian Stehle (Asperg)
Gastbeitrag von Matthias Weik und Marc Friedrich, Foto: Christian Stehle (Asperg)

2016 hat die Welt verändert. Der verheerende Terroranschlag in Nizza, das Votum für den Brexit, die Wahl Donald Trumps in den USA, das abgelehnte Referendum in Italien, die Verlängerung des wahnsinnigen und wirkungslosen EZB-Aufkaufprogramms und die Angst vor einer erneuten Banken- und Eurokrise sowie die regelwidrige Verstaatlichung der Dauerkrisenbank Monte dei Paschi in Italien. 2016 ist der Terror mitten in Deutschland angekommen und wir befürchten, dass dies leider erst der Anfang ist. Was erwartet uns? 

PROGNOSE FÜR DEUTSCHLAND FÜR 2017

Das Modell Deutschland ist am Scheitern. Wenn jetzt bereits von 40 Prozent vom Nettolohn für die Rente gesprochen wird, können wir unser gegenwärtiges Wohlstandsniveau in Zukunft nicht mehr halten. Spätestens nach dem Terroranschlag in Berlin ist unser Land ein anderes. Das politische Klima in unserem Land wird sich bis zur Bundestagswahl noch weiter vergiften. Wir werden einen knallharten und hochemotionalen Wahlkampf erleben. Populistische Kräfte werden weiter auf dem Vormarsch sein und bei der Bundestagswahl erhebliche Erfolge verzeichnen - insbesondere wenn die Devise der großen Parteien lautet „weiter so“. Es ist keinesfalls in Stein gemeißelt, dass Frau Merkel auch die kommende Kanzlerin sein wird. Wir gehen davon aus, dass die Ära Merkel 2017 ein Ende findet. Zukünftig werden einerseits die kommunalen Abgaben weiter steigen und andererseits die Leistungen weiter zurückgehen. Wir gehen davon aus, dass im Falle der Einführung der PKW-Maut in Zukunft auch der deutsche Autofahrer zur Kasse gebeten wird. Ferner wird die finanzielle Repression weiter voranschreiten. Konto- und sonstige Bankgebühren werden weiter ansteigen. Nach dem Gebührenhammer bei der Krankenversicherung sehen wir auch zukünftig weitere Erhöhungen bei den Krankenkassengebühren. Langfristig ist unser Gesundheitssystem in Anbetracht der demographischen Entwicklung nicht finanzierbar. Solange die EZB die Märkte weiterhin mit viel billigem Geld flutet werden wir insbesondere in städtischen Ballungszentren weiterhin mit steigenden Immobilienpreisen rechnen können.

 

EUROPA

Italien liegt volkswirtschaftlich gesehen nach wie vor am Boden. Das Land bekommt seine grassierende Arbeitslosigkeit nicht in den Griff. Die Wirtschaft darbt weiter und die Industrieproduktion des Landes stagniert auf dem Niveau von 1986. Italiens Banken werden in Kürze die Hand nach frischem Geld aufhalten müssen. Das letzte Referendum hat ganz klar bestätigt, dass es auch zukünftig in Italien keine tiefgreifenden Strukturreformen geben wird. In Italien gab es seit 1948 insgesamt 60 Regierungen und bald wird es abermals eine neue Regierung geben - wir gehen von baldigen Neuwahlen aus. Wir gehen ferner davon aus, dass bei diesen Neuwahlen die Euro- und EU-feindlichen Parteien als Sieger hervorgehen. Im Falle eines Wahlsieges EU-feindlicher Parteien ist von einem Referendum bezüglich eines Euroaustritts Italiens auszugehen. Gegenwärtig sehen wir die Chance als extrem hoch an, dass sich die Italiener in diesem Falle für einen Austritt aus der Eurozone entscheiden.

 

Frankreich, die Wirtschaftsmacht Nummer zwei in der Eurozone kommt nicht auf die Beine. Tiefgreifende Strukturreformen sind in Frankreich dringend erforderlich jedoch von der Bevölkerung genauso wie in Italien nicht erwünscht. In Frankreich wird am 23. April 2017 ein neuer Präsident bzw. eine neue Präsidentin gewählt. Es ist davon auszugehen, dass es zu einer Stichwahl am 7. Mai 2017 kommt. Sollte sich die wirtschaftliche Lage in Frankreich nicht verändern – wovon wir nicht ausgehen - dann ist ein Wahlsieg Marie Le Pens vom Front National keineswegs abwegig. Dieser Wahlsieg wird dann Europa vollends auf den Kopf stellen und das schleichende Ende der EU und des Euros endgültig einläuten.

 

Griechenland ist nach wie vor pleite! Es wird von höchster Ebene seit Jahren nichts weiter als Insolvenzverschleppung betrieben. Griechenland wird auch in Zukunft am Tropf der EU hängen. Wir gehen davon aus, dass der bitter notwendige Schuldenschnitt/Erlass für Griechenland spätestens nach der Bundestagswahl kommen wird, da das Land niemals seine Schulden bezahlen kann.

 

OHNE ZINS UND VERSTAND - WAHNSINN EZB

Die EZB ist in ihrer Verzweiflung und mangels Lösungen zur Planwirtschaft übergegangen. Mittlerweile hat die EZB unvorstellbare 1,23 Billionen Euro mit ihrem fragwürdigen Aufkaufprogramm in die Märkte gepumpt und unser Finanzsystem ad absurdum geführt. Auch 2017 wird die EZB die Märkte weiter mit billigem Geld „beglücken“ und für Verzerrungen an den Aktien und Immobilienmärkten sorgen. In Zukunft – wir gehen jedoch nicht bereits 2017 davon aus - wird die EZB Negativzinsen einführen. Diese Politik wird zu massiven Bargeldabhebungsbeschränkungen führen.

 

FAZIT: DER EURO UND DIE EU SIND GESCHEITERT

Spätestens seit der Flüchtlingskrise ist es für jedermann endgültig offensichtlich, dass innerhalb der EU mehr gegeneinander anstatt miteinander gearbeitet wird. Auch heute sind die Positionen zwischen vielen Ländern in der Causa nach wie vor unvereinbar. Während sich die deutsche Wirtschaft nach der Finanzkrise erholt hat, ist der Sachverhalt in Südeuropa bekanntlich ein anderer. Den Ländern geht es heute mit dem Euro wesentlich schlechter als unter ihren eigenen Währungen. Der Euro ist zu schwach für Deutschland und zu stark für die Südschiene Europas. Folglich sollten wir uns nicht wundern, wenn populistische Kräfte in vielen Ländern weiter auf dem Vormarsch sind und immer mehr aus der EU und der Eurozone austreten wollen. Niemals werden die Länder Südeuropas innerhalb der Eurozone wirtschaftlich auf einen grünen Zweig kommen. Trotzdem können sich diese Länder so günstig wie nie zuvor verschulden. Dies bedeutet, dass die Länder praktisch mit billigem Geld dafür belohnt werden, dass es ihnen wirtschaftlich gesehen immer schlechter geht. Das ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn und alles andere als nachhaltig.

 

Die Chancen, dass der Euro 2017 scheitert, stehen nicht schlecht. Wir sehen das Scheitern momentan bei über 50 %. Vielleicht wird man nochmals alles in die Waagschale werfen und sich teuer ein wenig mehr Zeit erkaufen. Aber in spätestens fünf Jahren wird das Notenbankexperiment Euro Geschichte sein. Zu gravierend sind die Missstände und Fehlkonstruktionen, zu krass die Zerstörungskraft im Zinskorsett der EZB für die Länder. Sollte keine radikale Kehrtwende bei den politischen Eliten innerhalb der EU stattfinden, ist diese zum Scheitern verurteilt. Dieses Umdenken ist sehr unwahrscheinlich. Die Problematik der Migration wurde keinesfalls gelöst. Nirgendwo werden die unterschiedlichen Weltbilder innerhalb der EU deutlicher als hier. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich diese grundverschiedenen Positionen in Zukunft verändern werden. Die Visegrád-Staaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn werden auch zukünftig keine Flüchtlinge aufnehmen, und Schweden, Dänemark, Frankreich und Österreich haben ihre Einwanderungspolitik grundlegend geändert. Dennoch wird in Zukunft die Migration in Richtung Europa weiter erheblich zunehmen, da die Krisen in der Welt nicht gelöst sind. Wir sprechen hier bewusst von Europa, da andere klassische Einwanderungsländer wie beispielsweise die USA und Australien ihre Türen für Flüchtlinge faktisch geschlossen haben. Alleine in Afrika sitzen nicht nur laut Basler Zeitung Abermillionen auf gepackten Koffern. Ein Blick auf die demographische Entwicklung Afrikas ist diesbezüglich hilfreich. Bis 2050 wird sich die afrikanische Bevölkerung verdoppeln. Ob der Kontinent eine solche Anzahl an Bewohnern ernähren kann, ist äußerst fraglich. Die EU, „der Kapitalismus“, „die Marktwirtschaft“ und „die Weltwirtschaft“ stecken in ihrer historisch schwersten und dauerhaftesten Krise. Weltweite Schuldenorgien, Bargeldflut, Nullzinsen, Investment-Blasen, Bankencrashs und Inflationsgefahren bedrohen unser Erspartes und unsere Altersrücklagen. Es ist weder Zeit für Pessimismus noch für Optimismus – es ist Zeit für Realismus.

 

Autoren: Matthias Weik und Marc Friedrich

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