Energiewende im Heizungskeller

Foto: Fotolia, Africa Studio
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Manche haben die Waschmaschine in Verdacht, andere die zusätzliche Gefriertruhe, den Geschirrspüler oder die Warmwasseraufbereitung via Elektroboiler oder Durchlauferhitzer. All das wird überwiegend von Hausbesitzern, Eigentümern und Mietern genannt, wenn es darum geht, die größten Energieschleudern und Verbrauchsquellen im Haushalt zu lokalisieren. Was häufig vergessen wird, ist das, was meistens darunter liegt: der Heizungskeller. So hat jüngst der Haustechnikhersteller Stiebel Eltron für seinen Energie-Trendmonitor 2016 Tausend Bundesbürger zu diesem Thema befragt. 

Ergebnis: 68 Prozent hatten den eigenen Heizungskeller nicht auf der Rechnung. Gleichzeitig haben knapp 70 Prozent der Befragten angegeben, dass die Energiewende in Deutschland ihrer Ansicht nach zu langsam vorangeht. „In privaten Heizungskeller liegt der Schlüssel zum Erfolg, um die Klimaschutzziele in Deutschland zu erreichen“, betont Geschäftsführer Rudolf Sonnemann.

 

Etwa 40 Prozent der Endenergie werde in Deutschland durch Gebäude verbraucht, den höchsten Anteil davon verursache immer noch die Heizung, sagt auch Ulrich König, Geschäftsführer des Energieberatungszentrums Stuttgart (EZB). Die Dämmung von Fassade, Dach und Kellerdecke, also der sogenannte bauliche Wärmeschutz, könne Abhilfe schaffen und den Energieverbrauch und damit die Kosten deutlich senken. Seine klare Botschaft an all jene, die solch eine energetische Sanierung planen, lautet dabei aber: „Niemals vergessen, die Auswirkungen solch einer Sanierung auf die Heizungsanlage und deren Dimensionierung zu berücksichtigen.“ Sinnvoll sei in fast allen Fällen, solch eine Maßnahme mit einer Modernisierung oder Erweiterung der Heizungsanlage zu verbinden, so der Diplom-Ingenieur und Energieexperte.

 

Das Energieberatungszentrum Stuttgart wurde bereits im Jahr 1999 als gemeinnütziger Verein gegründet und gilt seither als gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Partnerschaft zwischen Verwaltung und privaten Gruppen. Zentrale Aufgabe der Einrichtung ist zuvorderst, das Klimaschutzkonzept der Landeshauptstadt Stuttgart mit dem Schwerpunkt umzusetzen, die Energieeffizienz zu erhöhen und den Einsatz erneuerbarer Energien bei Gebäudemodernisierungen und Neubauten zu forcieren. Der Anteil am Energieverbrauch durch Heizung und Warmwasserbereitung liege in Stuttgart bei immerhin 52 Prozent, so König. Mit der richtigen energetischen Sanierung von Gebäuden könne ein wesentlicher Beitrag für einen nachhaltigen Umgang mit Energie geleistet und dabei auch noch viel Geld gespart werden. Denn: „Die nächste Heizungsrechnung kommt bestimmt.“

 

Entsprechend beraten die Experten der lokalen Energieagentur, die gleichzeitig Regionalpartner der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist, gleichermaßen private Investoren und Mieter, Wohnungseigentümergemeinschaften, kleine und mittlere Unternehmen, Vereine, Kommunen, Handwerker, Planer und Architekten. „Wer immer Bedarf an einem Beratungsgespräch und Informationen hat, kann mit seinem Anliegen zu uns kommen“, betont König. Neben einem Sanierungsfahrplan, der das grundsätzliche Vorgehen festlegt, gehört zum Leistungsangebot der Experten auch eine umfassende Energiediagnose, bei der unter anderem der allgemeine Gebäudezustand, die Gebäudehülle, das Heizsystem und die Warmwasserbereitung begutachtet und bewertet werden. Im Rahmen der Baubegleitung wird von der Fachingenieuren der Energieagentur zudem geprüft, ob alle technischen Vorgaben gemäß dem Stuttgarter Sanierungsstandard eingehalten werden. Das ist einerseits unter dem Gesichtspunkt der Energieoptimierung wichtig. Gleichzeitig geht es dabei aber auch darum, die Auflagen zu erfüllen, die mit dem Bewilligen von städtischen Fördermitteln verbunden sind. Wer von solchen Zuschüssen profitieren will, kommt an dem Energieberatungszentrum nicht vorbei: „Eine Förderung durch ein Programm der Landeshauptstadt setzt voraus, dass sich der Antragsteller zuvor mit uns in Verbindung setzt“, so König.

 

Knapp 30 Millionen Euro hat die Landeshauptstadt bisher über das Energiesparprogamm an Fördermitteln für energetische Sanierungen in privaten Wohngebäuden zur Verfügung gestellt. Doch obwohl diese Förderung auch mit Zuschüssen aus anderen Töpfen kumuliert werden kann, werden die Mittel oftmals nicht ausgeschöpft. „Viele Sanierungswillige in Stuttgart wissen einfach nicht um ihre Fördermöglichkeiten. Daher lohnt der Besuch beim Energieberater ungemein, der ist bestens informiert und kann umfassend beraten“, betont Ulrich König. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen vom Dach bis hinter in den Keller: So können über das Energiesparprogramm der Stadt Stuttgart unter anderem Sanierungen und Modernisierungen der Fassade, der Fenster, des Dachs, der Heizungsanlage sowie die Installation einer thermischen Solaranlage oder einer Hocheffizienzpumpe bezuschusst werden.

 

Empfehlen kann der Diplom-Ingenieur dabei insbesondere die Kombination einer mit Gas oder Öl betriebenen Zentralheizung mit einer thermischen Solaranlage, die für die Warmwasseraufbereitung zuständig ist. Der Vorteil ist unter anderem, dass an wärmeren Tagen die Heizung komplett abgeschaltet werden kann. „Es gibt keine umweltfreundlicherere Alternative“, betont er. Um die Verbreitung dieser Technologie voranzutreiben, habe die Stadt ein gewaltiges Förderprogramm aufgelegt, so König. Letztlich werde jeder neue Heizkessel gefördert, wenn er von einer thermischen Solaranlage unterstützt wird. Nach wie vor seien solche Anlagen noch viel zu rar gesät. Vor zehn Jahren habe es bei der Leistungsfähigkeit der Technologie noch Luft nach oben gegeben. Zwischenzeitlich seien die Kollektoren aber so effizient geworden, dass sich wirklich jedes Dach dafür eigne, so Ulrich König. „Es gibt nichts klimaschonenderes, als auf diesem Weg die Energie direkt im Haus zu produzieren und zu nutzen.“

 

Der Modernisierungsbedarf ist jedenfalls enorm: Nach einer Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft aus dem Jahr 2014 liegt das durchschnittliche Alter der Heizgeräte in Deutschland bei 17,6 Jahren. Über ein Drittel aller Heizungen in Deutschland sind sogar länger als 20 Jahre im Dienst. Viel länger ist gesetzlich gar nicht erlaubt: Gas- und Ölheizungen, die älter als 30 Jahre sind, müssen in der Regel seit Jahresbeginn 2015 ausgetauscht werden. In den nächsten Jahren rollt daher nach Einschätzung der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) eine Erneuerungswelle auf Deutschland zu, rund sieben Millionen der rund 21 Millionen Heizungen müssen demnach ersetzt werden.

 

Möglichkeiten gibt es dabei genug auf dem Markt: Bis zu 30 Prozent an Endenergie kann alleine ein Heizkessel mit neuer Technik einsparen. Hauseigentümer sollten daher prüfen lassen, ob es sich lohnt, den Kessel durch einen neuen zu ersetzen, rät auch das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau. „Vor allem wenn der Kessel älter als 20 Jahre ist, zahlt sich ein Heizungstausch aus“, betont die Architektin und Energieberaterin Petra Hegen. „Die Investitionskosten rechnen sich in vielen Fällen.“ Eine Erneuerung sollte außerdem geprüft werden, wenn im Heizungskeller hohe Temperaturen herrschen. Das sei ein Zeichen für hohe Energieverluste, so Petra Hegen. Wer seinen veralteten Heizkessel austausche, reduziere seine Heizkosten jährlich um 200 bis 700 Euro.

 

Der Platzhirsch unter den Heizungstechniken ist die Gasheizung: Rund 50 Prozent aller Gebäude sind damit bestückt. Ölkessel stehen in etwa 30 Prozent aller Wohngebäude. Der technische Standard bei beiden ist die Brennwerttechnik, bei der der Energieinhalt des eingesetzten Brennstoffes nahezu vollständig genutzt wird. Der Nachteil dabei: Es werden fossile Energien verbrannt, die endlich sind und das Klima schädigen. Eine gute Alternative ist der Einsatz regenerativer Energien, etwa mittels einer Wärmepumpe. Bei dieser Technologie, die auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung basiert, wird mit Hilfe von Strom als Antriebsenergie die Wärme aus dem Erdreich, dem Grundwasser oder der Luft geholt und auf eine höhere Temperatur gehoben. Das Verhältnis von gewonnener Heizenergie zu eingesetzter elektrischer Energie, die so genannte Jahresarbeitszahl, beschreibt dabei die Energieeffizienz, die laut Umweltministerium über 4,0 liegen sollte. Das wird meist nur erreicht, wenn die Wärmepumpen in gut gedämmten Häusern mit Fußboden- oder Wandflächenheizung eingesetzt werden. Wärmepumpen, die Außenluft als Wärmequelle nutzen, erzielen die geforderten Werte jedoch auch dann nur selten.

 

Bundesweit liegen Wärmepumpen jedenfalls im Trend: Bereits jeder dritte Häuslebauer hat sich im vergangenen Jahr für den Einsatz dieser Technologie und damit die Nutzung regenerativer Energiequellen im Heizungskeller entschieden. Der Anteil am Gesamtbestand aller Heizungen liegt bereits bei rund vier Prozent. Eine weitere Möglichkeit, auf erneuerbare Energieformen zu setzen, sind Holzheizungen, die es mit einem Stückholz- oder Pelletkessel, in jeder Größe und für jeden Bedarf gibt. Die Zentralheizungen passen in jeden Heizungskeller, sie sind bequem zu bedienen und funktionieren weitgehend automatisch. Vor allem aber sind die Schadstoffemissionen zwischenzeitlich äußerst gering. Liegt in der Straße ein Wärmenetz, raten die Experten unbedingt zu dieser Variante, bei der die Wärme durch gut gedämmte Rohrleitungen ins Haus strömt. Ein Anschluss an eines der energieeffizienten Wärmenetze, deren Ausbau vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg mit einem breit angelegten Förderprogramm vorangetrieben wird, ist fast immer die günstigste Art der Wärmeversorgung. Zum einen braucht es dafür weder Kessel noch Heizraum. Zudem stammt die Wärme in der Regel aus effizienter Kraft-Wärme-Kopplung oder aus erneuerbaren Energien.

 

Erst jüngst, am 16. September, wurde am „Internationalen Tag für den Schutz der Ozonschicht“ an den Vertrag erinnert, mit dem im Jahr 1987 das Verbot des ozonschädlichen Stoffes FCKW beschlossen wurde. Gleichzeitig ging vor wenigen Tagen die Meldung durch die Medien, dass sich das Ozonloch wieder langsam schließt. Ein erster Erfolg der Umweltpolitik, dennoch kommt die internationale Staatengemeinschaft bei der Reduktion des Treibhausgases CO2 nur langsam voran. Das größte Potential, die Energieeffizienz zu steigern und die Umweltbilanz zu verbessern, sehen die Experten dabei insbesondere bei der Wärmeversorgung. Aus diesem Grund hat auch das Bundeswirtschaftsministerium zum 1. August dieses Jahres zwei Programme aufgelegt, die Anreize schaffen sollen: Das Förderprogramm zur Heizungsoptimierung durch hocheffiziente Pumpen und hydraulischen Abgleich sowie die Förderung von so genannten Brennstoffzellen-Heizungen. Erklärtes Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2020 jährlich bis zu zwei Millionen Pumpen ausgetauscht und 200.000 hydraulische Abgleiche durchgeführt werden. Damit würden nach Schätzungen des Ministeriums rund 1,8 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden. „Durch die Optimierung bestehender Heizsysteme können schnell Effizienzgewinne erzielt und damit CO2-Einsparungen erreicht werden“, hat dazu Sigmar Gabriel erklärt, Bundesminister für Wirtschaft und Energie. „Mit den beiden neuen Förderprogrammen bringen wir die Energieeffizienz großflächig in die deutschen Heizungskeller.“ Durch die Förderung im Umfang von 30 Prozent der Investitionen helfe man Millionen von Eigentümern, ihre Heizsysteme zu optimieren.

Dabei kann durchaus auch mit kleineren Eingriffen in die nicht mehr ganz so neue Heizanlage viel erreicht werden, wie Ulrich König vom Energieberatungszentrum Stuttgart betont. So sei etwa eine zusätzliche Warmwasserpumpe eine gute Alternative, „einem 15 Jahre alten Kessel auf die Sprünge zu helfen“. Auch solch eine Modernisierung wird derzeit gezielt über das Energiesparprogramm der Stadt Stuttgart bezuschusst. Die Förderlandschaft sei flexibel aufgestellt. Daher sei es wichtig, so König, sich zunächst einen neutralen und unabhängigen Berater ins Haus zu holen. Im Stuttgarter Energieberatungszentrum werden die Möglichkeiten einer Modernsierung jedes Jahr vor Ort bei etwa 700 persönlichen Beratungsgesprächen intensiv erörtert. Dazu kommen noch bis zu 2500 telefonische Anfragen und etwa tausend E-Mails zum Thema. Die Berater, darunter Architekten und Ingenieure, sind mehr als ausgelastet, was zeigt, wie groß der Bedarf ist. Und das Beratungsgespräch ist dabei erst der Anfang: Für eine detaillierte Energiediagnose müsse sich ein Fachmann zwingend bei einem Ortstermin das Gebäude ansehen, betont König. Entweder werde dann ein weiteres Treffen vereinbart oder auf einen freien Energieberater aus dem Netzwerk verwiesen. Der Geschäftsführer hat in all den Jahren die Erfahrung gemacht, dass manch einem der Ratsuchenden die Kosten für eine energetische Sanierung unangemessen hoch erscheinen. In solchen Fällen empfiehlt der Energieexperte nicht nur den Blick auf die anschließend niedrigen Verbrauchskosten. Auch der Mehrwert durch ein behaglicheres Wohnklima und ein gutes Gewissen in Bezug auf die persönliche Ökobilanz seien Argumente für einen solchen Schritt. Schon jetzt seien die Folgen des globalen Klimawandels zu erahnen und teilweise sichtbar, so Ulrich König. „Die Energiewende im Heizungskeller ist daher die Voraussetzung für künftiges Leben auf dem Planeten Erde."

Die lokale Energieagentur

 

Das Energieberatungszentrum Stuttgart e. V. (EBZ) ist die lokale Energieagentur in Stuttgart und Regionalpartner der Deutschen Energie-Agentur (dena). Es wurde 1999 gegründet und gilt als gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Partnerschaft zwischen Verwaltung und privaten Gruppen. Das EBZ ist ein gemeinnütziger Verein und arbeitet nicht gewinnorientiert. Es finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, öffentlichen Zuschüssen, der Projektförderung und Energiediagnosen. Zentrale Aufgabe ist die aktive Mitwirkung bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes der Landeshauptstadt Stuttgart mit dem inhaltlichen Schwerpunkt, die Energieeffizienz zu erhöhen und den Einsatz erneuerbarer Energien bei Gebäudemodernisierungen und Neubauten zu forcieren.

Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung

 

Der Gesamtenergiebedarf eines Gebäudes setzt sich prinzipiell aus dem Wärmebedarf für Heizen und Warmwassererzeugung, dem Strombedarf und den mit der Energiebereitstellung verbundenen Energieverlusten zusammen. Diese sind bei der Stromerzeugung in Kraftwerken besonders groß. Daher ist es am effizientesten und umweltschonendsten, den Strom dort herzustellen, wo er auch benötigt wird. Zudem kann die bei der dezentralen Stromerzeugung gewonnene Abwärme für das Heizsystem genutzt werden. Hierzu eignen sich zum Beispiel Blockheizkraftwerke (BHKW), die es auch als Mini-Variante, mit einer Leistung von 5 Kilowattstunden gibt. Heute stehen Kleinstkraftwerke, sogenannte Micro-BHKW, für Einfamilienhäuser zur Verfügung. Darin erzeugt ein Stirlingmotor eine elektrische Leistung bis 1 KW.

Tipps zur Heizungsmodernisierung

 

  • Bevor Sie einen neuen Kessel bestellen, prüfen Sie bitte, ob nicht Wärmeschutzmaßnahmen an der Gebäudehülle durchgeführt werden sollen. Dann kann die Heizung gegebenenfalls kleiner gewählt werden.
  • Wird die Gebäudehülle saniert und bleibt dabei die alte Heizung bestehen, dann sollten Sie die Heizleistung an die neuen Randbedingungen anpassen lassen.
  • Arbeiten Sie mit Ihrem Fachbetrieb im Stuttgarter Sanierungsstandard die Checkliste für eine individuelle Auslegung ab und fragen Sie nach innovativen Konzepten mit Erneuerbaren Energien!
  • Lassen Sie sich die Heizlastberechnung und den hydraulischen Abgleich dokumentieren!
  • Lassen Sie sich sorgfältig in den Betrieb der Anlage einweisen und lassen Sie sich die Bedienungs- und Installationsanleitung aushändigen! Denn die zu viel benötigte Energie müssen Sie bezahlen.
  • Sie und der Fachbetrieb sollten das Abnahmeprotokoll unterzeichnen.

 

 

Autor: Markus Heffner

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