Baudarlehen: Letzte Chance für den Widerrufsjoker

Baudarlehen: Letzte Chance für den Widerrufsjoker Wer aus einem laufenden Darlehen für Haus oder Wohnung aussteigen will, kann den Vertrag mitunter widerrufen. Allerdings läuft die Frist in vielen Fällen nur noch bis zum 21. Juni 2016. Für alle, die noch überlegen, ihren alten Immobilienkredit mit fehlerhafter Widerrufsbelehrung zu widerrufen, wird es nun eng. 

Am 21. Juni läuft die Frist in vielen Fällen ab, danach dürfte ein lukrativer Widerruf oft nicht mehr möglich sein. Zunächst sollte geprüft werden, ob der Darlehensvertrag widerrufen werden kann. Das ist mitunter auch Jahre nach der Unterschrift möglich, denn viele Widerrufsbelehrungen bei Immobilienkrediten sind fehlerhaft. Die Folge: Der Widerruf kann nicht nur – wie üblich – binnen 14 Tagen ausgeübt werden, sondern unbefristet. Diese Möglichkeit ist bekannt als "Widerrufsjoker".

 

Anlass für einen Widerruf

 

Für einen Widerruf gibt es drei Anlässe:

 

- Die Immobilie soll verkauft und die Restschuld abgelöst werden, ohne eine hohe Vorfälligkeitsentschädigungen leisten zu müssen.

 

- Der Kunde hat das Darlehen bereits zurückgezahlt und möchte die gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung zurückerhalten.

 

- Der Kunde möchte aus einem laufenden Darlehen ohne Kosten aussteigen, um in einen Vertrag mit niedrigeren Zinsen zu wechseln oder weil er nun den restlichen Betrag auf einen Rutsch zurückzahlen kann.

 

Auch bei Widerruf eines bereits getilgten Darlehens können Kunden auf die Erstattung einer bereits gezahlten Vorfälligkeitsentschädigung hoffen. Einige Gerichte vertreten allerdings die Auffassung, dass ein Widerruf nach einer Tilgung nicht mehr erlaubt ist. Andere entscheiden zu Gunsten der Verbraucher (etwa Landgericht Karlsruhe, Urteil vom 11. April 2014, Az. 4 O 395/13). Wegen einer Einigung der Parteien und Beendigung des Verfahrens konnte sich der Bundesgerichtshof (Az.: XI ZR 154/14) aber nicht zu der Frage äußern.

 

Der Widerrufsjoker kann besonders in der aktuellen Niedrigzinsphase tausende Euros einbringen. Wer etwa vor Jahren ein langlaufendes Darlehen mit einem Zins von fünf Prozent aufgenommen hat, kann so vielleicht auf einen Vertrag mit nur rund zwei Prozent umsteigen – beim selben oder einem anderen Anbieter. Hat man das Geld sogar verfügbar, kann man die Restschuld mit einem Schlag zurückzahlen und erspart sich weitere Zinszahlungen. Wer kann den Vertrag widerrufen? Den Widerruf erwägen können alle, die ihren Darlehensvertrag ab dem 2. November 2002 abgeschlossen haben. Seither müssen auch Darlehensverträge für Immobilien eine Widerrufsbelehrung enthalten.

 

Aber: Die Zeit drängt. Denn nach intensiver Lobbyarbeit durch Banken und Sparkassen hat die Bundesregierung mit Zustimmung des Bundestages nun das Ende des sogenannten ewigen Widerrufsrechts beschlossen. Bei Immobiliendarlehensverträgen, die zwischen dem 1. September 2002 und dem 10. Juni 2010 geschlossen wurden und deren Widerrufsbelehrung fehlerhaft war, erlischt das Widerrufsrecht am 21. Juni 2016. Die Ausübung des "Widerrufsjokers" birgt allerdings, so die Verbraucherzentrale NRW, auch gewisse Risiken, die es zu beachten gilt.

 

Hier geht es zu den Hinweisen der Verbraucherzentrale: Widerrufsjoker

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