Moderne Technik ist nicht alles – auch das Anfeuern will gelernt sein

Foto: Fotolia.com
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Die Qualität des Ofens, die Qualität des Holzes und die richtige Handhabung sind entscheidend dafür, dass möglichst wenig Feinstaub durch den Kamin geht. Flackernde Flammen, knisterndes Holz. Kaum etwas schafft eine so behagliche Atmosphäre in den eigenen vier Wänden, wie ein echtes Feuer. Selbst im Sommer gibt es Abende, an denen die Wärme eines Ofens Körper und Seele gut tun.

Kein Wunder, dass die so genannten Einzelfeuerungsanlagen nach wie vor äußerst beliebt sind. Allein in Baden-Württemberg hat das Schornsteinfegerhandwerk im Jahr 2014 Messungen an knapp 30.000 Holzöfen gezählt. „Öfen liegen immer noch sehr im Trend. Verändert hat sich nur, dass es den Leuten früher nur um die schöne Atmosphäre und eine gute Optik ging. Inzwischen ist es immer mehr Eigentümern wichtig, dass der Ofen auch wärmt und man diese schöne Grundwärme als einen Baustein des Heizens nutzt“, berichtet Ofenbauer Karl-Friedrich Fauser.

 

Er kann aus seiner Praxis aber auch berichten, dass in den vergangenen Monaten zu all der Freude über den eigenen Ofen bei einigen Besitzern auch einiges an Verunsicherung hinzugekommen ist. Grund hierfür: der wiederholt ausgerufene Feinstaub-Alarm in Stuttgart. „Den Kunden ist Nachhaltigkeit sehr wichtig, sie wollen keine Fehler machen“, so Fauser.

 

Bei Feinstaubalarm aufs Kaminfeuer verzichten?

Im städtischen Informationsblatt zum Feinstaub-Alarm in Stuttgart wird nämlich erläutert, dass nicht nur auf das Autofahren, sondern auch auf das Befeuern so genannter Komfort-Kamine besser verzichtet werden sollte – dabei handelt es sich um diejenigen Kamine oder Kaminöfen, die eher der Behaglichkeit als der Wärmeerzeugung dienen. „Ein erheblicher Teil der Feinstaub- Emissionen, die in Stuttgart gemessen werden, entstehen aus der Holzverbrennung“, heißt es in der Broschüre. Der Fachverband Sanitär, Heizung, Klima Baden-Württemberg warnt allerdings in einer Presseinformation vom 23. Februar vor ordnungspolitischen Überreaktionen wie etwa Verbrennungsverboten. „Eine sachliche und differenziert geführte Diskussion tut an dieser Stelle Not“, heißt es weiter.

 

Tatsächlich seien laut Bundesumweltamt die Feinstaub-Emissionen in Deutschland seit 1995 deutlich gesunken. Vor sechs Jahren habe der Gesetzgeber bereits auf die Luftbelastung aufgrund von Feinstaub-Emissionen durch Einzelfeuerungsanlagen reagiert. Seit 2010 gibt es die „Erste Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes“, kurz die 1. BlmSchV. In dieser wurden Grenzwerte, Kontrollregeln und Übergangsfristen insbesondere für Feuerstätten, in denen Brennstoffe wie Stückholz, Pellets und Hackschnitzel verwendet werden, deutlich verschärft.

 

In der 1. BlmSchV wurde besonders dem Umstand Rechnung getragen, dass die Altanlagen (20 Jahre und mehr) für zwei Drittel der freigesetzten Feinstaubmenge verantwortlich sind. „In diesen älteren Öfen entstehen meistens nicht so hohe Feuerraumtemperaturen, das Holz kann nicht so rückstandlos verbrennen wie in neuen Anlagen“, erläutert Volker Jobst vom Landesinnungsverband des Schornsteinfegerhandwerks. Laut dem Fachverband Sanitär, Heizung, Klima erzeugen neue Öfen bis zu 85 Prozent weniger Emissionen gegenüber Öfen, die vor 1975 gebaut worden sind. Nach den in der 1. BlmSchV festgelegten Übergangsfristen mussten solche Modelle bis 2014 ausgemustert werden, mittlerweile läuft die nächste Austauschwelle: Bis 2017 werden alle Heizgeräte stillgelegt, deren Typprüfungen zwischen 1975 und 1984

erfolgt sind, wenn sie die Grenzwerte nicht einhalten könnten.

 

Beanstandungen sind selten

Besitzer solcher Altanlagen haben laut Schornsteinfegerhandwerk die Möglichkeit, diese komplett auszutauschen oder aber die Anlage mit einem baulich zugelassenen Staubabscheider oder einer anderen Einrichtung zur Staubreduzierung nachzurüsten.

Wie der Fachverband Sanitär, Heizung, Klima mitteilt, sei in Baden-Württemberg nur bei einem Prozent der überprüften Holzheizkessel der Staubgehalt beanstandet worden – bei Holzschnitzel- und Pelletanlagen lag der Anteil bei um die zwei Prozent. Die überwiegende Anzahl der Holzheizkessel in Baden-Württemberg würden also die strengen Auflagen der Abgas-Staubemissionen einhalten. „Die Qualität der Feuerstätte macht aber nur ein Drittel aus. Entscheidend sind daneben der Faktor Mensch und die Qualität des Brennstoffes“, sagt Schornsteinfegermeister Volker Jobst.

 

Ein toller Ofen nutzt nichts, wenn dieser nicht richtig gehandhabt wird. „Das 70-jährige Lieschen Müller ist mit Holz groß geworden und kennt sich aus. Aber viele andere machen das erste Mal Feuer, wenn sie einen eigenen Ofen besitzen“, sagt Volker Jobst. Dass da einiges an Informationsbedarf besteht, was das richtige Anfeuern, die Luftregelung und die Brennstoffgröße angeht, hat auch der Gesetzgeber erkannt.

 

„Deswegen sind Beratungsgespräche mit dem Schornsteinfeger mittlerweile Pflicht. Und zwar dann, wenn eine neue Feuerstätte angeschafft wird oder wenn der Eigentümer einer Feuerstätte wechselt“, erklärt Jobst. Der Schornsteinfeger weist dann unter anderem darauf hin, wie das optimale Anzündholz aussieht – trocken, lang und schmal – und wann der beste Zeitpunkt zum Nachlegen des Brennstoffs ist. Ein beliebter Fehler laut Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks ist es, dass zu viel Holz in den Ofen gelegt wird. Ist es dann im Wohnzimmer zu warm, wird der Luftschieber geschlossen. Wird aber die Luftzufuhr gedrosselt, kann das Holz nicht komplett verbrennen, was wiederum zu Schadstoffen führt.

Brennholz soll naturbelassen und luftgetrocknet gelagert werden. Ideal sind drei Jahre. Foto: Fotolia.com
Brennholz soll naturbelassen und luftgetrocknet gelagert werden. Ideal sind drei Jahre. Foto: Fotolia.com

Ein Unding ist es für Ofenbauer Karl-Friedrich Fauser, dass manch ein Ofenbesitzer auch Dinge verbrennt, die eher in die Mülltonne gehören. Das sorgt nicht nur für dunklen Rauch und unangenehmen Geruch, sondern ist auch schädlich für die Umwelt. Aus diesem Grund hat auch behandeltes Holz nichts im Ofen zu suchen. Im Rahmen des Beratungsgesprächs überprüfen die Schornsteinfeger zudem die Qualität des verwendeten Brennstoffs und die ordnungsgemäße Lagerung. Diese Faktoren sind laut Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks entscheidend für das Emissionsverhalten und den Energieverbrauch des Ofens: So würde etwa zu feuchtes Holz stark qualmen, intensiv riechen und zudem unwirtschaftlich sein. Brennholz dürfe nur einen bestimmten Feuchtigkeitsgehalt haben. Umweltfreundlich ist naturbelassenes, lufttrockenes Holz mit einem Feuchtigkeitsgehalt

von maximal 25 Prozent. Frisch geschlagenes Holz beinhaltet allerdings je nach Sorte und Jahreszeit bis zu 60 Prozent Wasser. Deswegen sollten Ofenbesitzer, die ihr Holz selbst

spalten und lagern, eine Wartezeit von ein bis drei Jahren einplanen.

 

Wer all diese Dinge berücksichtigt, kann die Feinstaubemissionen seines Ofens klein halten und sich weiterhin guten Gewissens an seinem Ofen im Wohnzimmer freuen. Sollte man einen solchen beim Hausbau gleich miteinplanen oder ist ein Nachrüsten unproblematisch? „Sinnvoll ist es sicherlich, vorn vorneherein einen Schornstein zu wählen, der nicht zu klein ist und viele Möglichkeiten offen lässt“, rät Ofenbauer Karl-Friedrich Fauser. Ansonsten seien keine Vorkehrungen nötig: „Vor allem tut sich innerhalb von wenigen Jahren wieder so viel an der Ofentechnik, dass man besser wartet, bis man sich tatsächlich einen Ofen einbauen lassen möchte.“ Der langjährige Ofenbauer ist nach wie vor überzeugt vom Feuer im eigenen Kamin: „Das ist einfach eine andere Wärme, richtig zum Wohlfühlen.“

 

Quelle: smartLiving-Magazin

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