Mehr Anreize für die Schaffung von Wohnraum in Stuttgart

Der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein fordert, den strikten Vorrang der Innentwicklung moderat zu lockern und auch kleinere neue Baugebiete auszuweisen. Daran führe kein Weg vorbei, wenn in der Landeshauptstadt mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen solle. Zudem soll die von Oberbürgermeister Kuhn veranlasste systematische Suche nach den Möglichkeiten für zusätzlichen Wohnraum schnell und mit Nachdruck vorangetrieben werden. Für die Hausbesitzer müsse es rechtliche Erleichterungen und steuerliche Anreize geben, mögliche Aus-und Umbauten zügig in Angriff zu nehmen.

Um den Wohnungsbau wieder mehr für Bürger, vor allem für junge Familien, bezahlbar zu machen, werden dringend mehr Bauflächen benötigt. Insoweit herrscht in Stuttgart Konsens. „Angesichts des wachsenden Bedarfs sollte die Stadt nicht dogmatisch auf dem Prinzip, dass nur Innenentwicklung in Frage kommt, beharren“, sagt der Vorsitzende von Haus & Grund Stuttgart, Dr. Klaus Lang. „Es muss untersucht werden, wo in beschränktem Maße auch die Erschließung neuer Baugebiete in Frage kommt und dies – selbstverständlich nach klar festzusetzenden Kriterien wie zum Beispiel der besonders ökologischen und ressourcenschonenden Bebauung – gegebenenfalls möglich wäre.“  

 

Der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein unterstützt in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Antrag der Freien Wähler-Gemeinderatsfraktion zur Aktivierung von Wohnraumpotenzial in Stuttgart (Nr. 100/2016). „Die Freien Wähler regen zurecht an, über neue Baugebiete jenseits der reinen Innenentwicklung nachzudenken, wobei es ihnen lediglich um eine behutsame Bebauung kleinerer Flächen und Baulücken in Stuttgart geht. Hier könnten insbesondere junge Familien, Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen, private Kapitalanleger für Mietwohnungen sowie kleine und mittlere Baugenossenschaften und Bauträger zum Zuge kommen“, so Dr. Lang.  

 

Stuttgart muss mehr Bauflächen ausweisen  

 

„Wenn die Stadt Stuttgart in Sachen Wohnungsbau vorankommen will, darf es keine Denkverbote geben. Es fehlt nicht an Bauwilligen, sondern an Bauplätzen“, unterstreicht Haus & Grund-Geschäftsführer Ulrich Wecker. Zurecht fragen die Freien Wähler, wie weit der bereits im Dezember von Oberbürgermeister Kuhn an das Baureferat erteilte Auftrag, in der gesamten Stadt nach Möglichkeiten für neuen Wohnraum zu suchen, gediehen sei. „Auch die weiteren Vorschläge der Freien Wähler, einen Wohnungsbaumanager einzusetzen, Prämien für den Umzug von großen in kleinere Wohnungen anzubieten, zu prüfen, ob auch in Gewerbegebieten mehr Wohnbebauung möglich ist und schließlich Anreize für mögliche Anleger zu schaffen, damit es für diese attraktiv wird, in den freifinanzierten Wohnungsbau zu investieren, finden unsere volle Unterstützung“, so Wecker weiter. „Mehr Bauflächen zur Verfügung zu haben ist gleichbedeutend, dass es mehr erschwinglichen Wohnraum gibt“, betont der Haus & Grund-Geschäftsführer, „denn mittels einer größeren Zahl an Baufläche entspannt sich der Markt – und die Kaufpreise sinken dadurch ebenso wie die Mieten.“  

 

„Zudem bieten bestehende Gebäude ein großes Potenzial für zusätzliche Wohnungen, beispielsweise beim Dachgeschossausbau und dem Umbau leerstehender Läden im Erdgeschoss. Wir regen daher an, die Möglichkeiten von Aufstockungen, Dach-Ausbau und Kellerausbau systematisch zu prüfen“, so Dr. Lang. Nach einer Studie, die das Pestel-Institut zusammen mit der TU Darmstadt erstellt hat, könnten dadurch in Deutschland, insbesondere in Großstädten, mehr als 1,5 Millionen zusätzliche Wohnungen entstehen. Aufstocken und Ausbauen hätten ferner den Vorteil, dass sparsam mit Ressourcen umgegangen und hier kein Boden zusätzlich verbraucht wird. Gleichzeitig müsste für den in dieser Art gewonnenen Wohnraum keine neue Infrastruktur geschaffen werden. Somit fielen keine weitergehenden Erschließungskosten an, wie etwa beim Bauen im Außenbereich. „Deshalb bedarf es einer flächendeckenden Erhebung und zugleich finanzieller Anreize für private Eigentümer, die bereit sind, durch solche Maßnahmen Wohnraum zu schaffen. Hierzu zähle, dass der Bund die jetzt vorgesehenen Sonderabschreibungen auch für Aufstockungen möglich mache und die baurechtlichen Rahmenbedingungen für An- und Umbauten erleichtertet werden“, so Geschäftsführer Wecker. Um dieses Potential zu nutzen, sind Land und Stadt gefragt, denn Einschränkungen in alten Bebauungsplänen tragen entscheidend zur Verteuerung von Wohnraum bei“, so Wecker. Erleichterungen böten beispielsweise der Verzicht auf zusätzliche Stellplätze oder die Anpassung bei Bebauungsplänen, was die Trauf- und Firsthöhen anbelangt.

 

Quelle: Haus & Grund Stuttgart

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